Bayern hält an Anbindehaltung und Betonspalten-Böden fest

Erst vor zwei Wochen saßen wir in der Münchner Residenz, lauschten den Worten des Herrn Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz Thorsten Glauber über die Wichtigkeit des Tierschutzes und freuten uns über die Anerkennung für unsere Ukrainehilfe. Nun müssen wir schon wieder feststellen, welch unterschiedliche Vorstellungen das Staatsministerium und wir von Tierwohl doch haben.

So hat das Umweltministerium am 19. Oktober eine neue Bayerische „Tierschutzleitlinie“ für die Haltung von Mastrindern und Mutterkühen herausgegeben ohne auch nur einen Missstand in der konventionellen bayerischen Rinderhaltung zu beheben:

Anstatt die Anbindehaltung umgehend zu verbieten, bleibt sie ohne Übergangsfrist weiterhin erlaubt. In Altbauten dürfen die Tiere noch weitere 15 Jahre (!!!) auf Betonspalten ohne Gummiauflage und ohne Einstreu gehalten werden. Nicht mal Sägespäne oder Stroh, damit die Tiere bequemer liegen können, werden verpflichtend vorgeschrieben.

Zudem dürfen die Rinder auch weiterhin auf viel zu engem Raum gehalten werden: In Altbauten ist ein Platzangebot von 2,7 m² für einen Bullen von 650 kg Körpergewicht noch während einer Übergangsfrist von 5 Jahren erlaubt. In 5 Jahren sollen einem 650 kg Bullen dann min. 3,5 m² zur Verfügung stehen – immer noch viel zu wenig.

Wir sind entsetzt über diese Rückständigkeit und eine weitere verpasste Chance auf weniger Tierleid in der bayerischen Landwirtschaft. Seit Jahrzehnten fordern Tierschützer, so auch unser Dachverband, der Deutsche Tierschutzbund und wir ein Verbot der grausamen Anbindehaltung - doch die Lobby dagegen ist zu stark.

Schon 2016 wollte der Bundesrat diese Form der Kuhhaltung verbieten – mit 12 Jahren Übergangsfrist versteht sich. Doch bis heute scheitert das Vorhaben an den Bauernverbänden. Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg wehren sich die Bauern vehement gegen jeden klar definierten Ausstieg. In Bayern halten laut Statist. Bundesamt noch über die Hälfte aller Betriebe ihre Rinder in Anbindehaltung (Es gibt auch Mischformen). Das muss endlich ein Ende haben!

Wer den armen Kühen wirklich helfen möchte, kann dies durch seine Kaufentscheidungen in puncto Milch- und Fleischprodukte. Hier ist eins sicher: Je weniger desto besser (auch aus Gründen des Klimaschutzes)! Wer nicht auf Kuhmilch- und Fleischprodukte verzichten möchte, sollte diese zumindest nur aus Quellen beziehen, deren Haltung er kennt und ethisch vertreten kann.

Alle Neuigkeiten