Der heutige #Weltolympiatag erinnert an die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen. Im Mittelpunkt der größten Sportveranstaltung der Welt steht mit dem olympischen Gedanken das Ziel der Völkerverständigung. Durch den sportlichen Wettkampf sollen gemeinsame Werte vermittelt werden. Diese Gelegenheit möchten wir nutzen, daran zu erinnern, dass dazu auch gesellschaftlicher Fortschritt und Tierschutz gehören sollten!

So geht das olympische Komitee durchaus mit der Zeit und passt das Wettkampfprogramm immer wieder an. Veraltete und teils absurde Disziplinen wie das Weitspucken wurden in der Vergangenheit regelmäßig abgeschafft, darunter auch tierquälerische „Sportarten“ wie das Taubenschießen, dass gottseidank nur ein einziges Mal 1900 in Paris ausgetragen wurde ebenso wie der Pferde-Weit- und Hochsprung. 1920 fand einmalig unter dem Namen „Kunstreiten“ ein Wettbewerb im Voltigieren statt.

Seit 1920 dann leider der Stillstand in puncto Tierschutz – bis letztes Jahr. Nach dem Tierschutzskandal während der Olympischen Spiele in Tokio, als eine Fünfkämpferin vor laufender Kamera mit roher Gewalt auf das ihr zugeloste Pferd Saint Boy einschlug, während man ihre Trainerin „Hau mal richtig drauf!“ schreien hörte, kam endlich ein Stein ins Rollen.

Denn noch immer werden viele Pferde für die verbleibenden olympischen Reitsportdisziplinen Springreiten, Dressur und Vielseitigkeit missbraucht. Auch hier kam es während der Spiele 2021 zu grausamen Szenen: Der Wallach Jet Set des Schweizer Vielseitigkeitsreiters Robin Godel musste eingeschläfert werden, nachdem er sich im Geländeparcours eine inoperable Bänderverletzung zugezogen hat. Kilkenny, das Pferd des irischen Reiters Cian O’Connor, blutete im Springreiten heftig aus den Nüstern. Diese Vorfälle in Tokio haben die gesellschaftliche Akzeptanz des Pferdesports insgesamt stark beeinträchtigt.

In der Konsequenz gab das Internationale Olympische Komitee (IOC) bekannt, den Reitwettbewerb im Modernen Fünfkampf künftig durch eine pferdelose Alternative zu ersetzen. Ein erster Erfolg für den Tierschutz, denn eine Wettkampfsituation mit einem/r Reiter/in, der/die das Pferd unter ihm/ihr gar nicht kennt, ist besonders schlimm. Aber dieser Schritt ist aus unserer Sicht und der vieler weiterer Tierschutzorganisationen nicht genug.

Tiere sind keine Sportgeräte! Reitsport ist generell aus Tierschutzsicht ein empfindliches Thema, weil die Bedürfnisse der Pferde dabei oft missachtet werden – im Freizeitbereich ebenso wie im Leistungssport. Im Leistungssport führt die starke Erfolgsorientierung der ReiterInnen aber erst recht zu Methoden, unter denen die Tiere leiden.

Bei Olympia kommen weitere negative Faktoren dazu: Die Pferde der SportlerInnen werden durch weite Flugreisen gestresst, müssen mehrere Tage in einer völlig fremden Umgebung und ungewohntem Klima zurechtkommen und sind dann dem extremen Konkurrenzkampf um die Medaillen (und Preisgelder) zwischen ihren ReiterInnen ausgesetzt, bevor sie wieder viele Stunden bis Tage lang zum Heimatstall zurücktransportiert werden. Das ist wirklich nicht mehr zeitgemäß und gehört abgeschafft!

Weiter in Kauf zu nehmen, dass Pferde in den Wettkämpfen gequält werden, entehrt den olympischen Gedanken. Den Tieren werden Aufgaben zugemutet, denen sie körperlich nicht gewachsen sind. Systematische Überforderung und Hetze sind feste Bestandteile der Reitsport-Turniere im professionellen Spitzensport.

Doch Werte ändern sich und jetzt ist es an der Zeit, dass das IOC das auch erkennt. Wir fordern daher, alle Pferdesport-Disziplinen komplett aus dem Programm der Olympischen Sommerspiele zu streichen.

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