Nachricht aus Barsiks neuem Zuhause - Ein tolles Happy-End

Servus liebe Leser,

gestatten, ich bin der Basi, formerly known as Barsik, aber meine Adoptiveltern wollten es lieber a bisserl bayerischer. Ich bin 6 Jahre alt inzwischen, stamme von einer armen Zuchtmaschinenmama aus dem Ostblock und wurde ihr viel zu früh weggenommen. Vermutlich konnte sie mir deshalb auch nicht richtig beibringen, wie ich richtig „bieseln“ sollte. Dann hat mich eine Familie bei eBay gekauft. Die müssen aber leider wenig bis gar keine Ahnung gehabt haben, wie man das einer wild pinkelnden Katze wieder abgewöhnen kann. Und ich wurde ja sooo viel allein gelassen. Na ja, vier Jahre lang haben sie es nicht hinbekommen mit mir und dann haben sie mich im Tierheim München abgegeben. Und da blieb ich nun über zwei Jahre. Die Menschen dort waren ganz lieb zu mir und haben mein Verhalten genau beobachtet. Sie haben dabei festgestellt, dass ich nachts Angst habe und ich überhaupt so ungern allein bin. Und hochgehoben mag ich auch nicht so besonders gern, wie alle größeren Katzen. Dann haben sie mich im Internet gezeigt und gefragt, ob es irgendwo liebe Menschen gibt, die einen großen Kater, der es nicht so leicht hatte und sein Pinkelproblem trotzdem haben möchten. Und: Hurraaa!!!, da gab es im Münchner Westen ein Elternpaar, deren Kater kurze Zeit vorher verstorben war, die sehr katzenerfahren sind und wussten, dass wenn eine Katze wild pinkelt, ihre Seele ganz traurig ist. Sie wollten mich! Mich, einen rot-weißen British Shorthair, einen großen über 8kg schweren tapsigen Miezekater, der sehr unsauber war und für den sich in über 2 Jahren nur einmal jemand interessiert hatte, mich dann aber doch nicht wollte. Dabei bin ich doch ein ganz liebes Miezel.

Als ich meine zwei Menschen das erste Mal erblickte, weil sie mich kennenlernen wollten, war meine künftige Frauchen schockverliebt. Erst in mein Foto aus dem Netz und dann live in mich. Ich war auch schockverliebt, allerdings in mein baldiges Herrchen. Da hat sie erstmal gestaunt, das gab es bei ihr noch nie. Wurscht, ich bekam aber erst zwei Wochen später ein neues Zuhause. Meine späteren Eltern waren noch nie in 26 gemeinsamen Jahren zusammen im Urlaub, weil sie ihre Katzen nicht anderen überlassen wollten. Daher sollte es wenigstens einmal einen gemeinsamen Urlaub geben. Aber sofort einen Tag danach haben sie mich abgeholt und jetzt bin ich in München-Laim daheim. Meine Frauchen ist ehrenamtliche Helferin beim Verein Dein Nachbar e.V. in Laim und betreut täglich alte Menschen. Und während sie arbeitet ist mein Papi daheim und spielt immer ganz toll mit mir. Und ich habe übrigens bisher, und das sind jetzt schon über drei Monate, noch nicht ein einziges Mal irgendwo hingepinkelt. Ich gehe ganz normal auf mein Kistl. Das Einzige, was mal passiert, ist, dass ich meinen Popo zu sehr hebe und dann geht mal was drüber  raus. Aber meine Frauchen hat einen ganz tollen Enzymreiniger gekauft, den sie nach dem Putzen mal draufsprüht und dann riecht nichts, das ist ganz super.

Ich bin unkompliziert mit meinem Futter, ich mag alles. Und meine Menschen geben mir mein Futter auch immer mit warmem Wasser dazu, damit meine Nieren auch was davon haben. Nachts schlafe ich bei meiner Frauchen, weil meine zwei Menschen getrennt schlafen. Und jeden Abend, wenn wir gemeinsam ins Bett gehen, klettere ich auf ihr Kissen, lege eine Pfote um ihren Hals, die andere auf ihren Kopf und dann nuckele ich so gerne schnurrend an ihrem Ohrläppchen. Frauchen liebt das, auch wenn ihr meine 8kg auf ihren Haaren manchmal ziemliches Ziepen bereitet. Und war ich anfangs noch recht scheu, jetzt, nach drei Monaten, komme ich immer mehr zu meinen Eltern, lege mich zu ihnen auf die Couch und lasse mich beschmusen. Ich kannte das bisher nicht, aber inzwischen gefällt mir das sehr gut. Ich kannte ebenfalls kein soziales Leben, aber meine Menschen finden es ganz super, meine Seele zu entdecken und mir meine Wünsche von den Augen abzulesen. Sie fühlen sich auch gar nicht als Personal, sie empfinden es als selbstverständlich, sich mal zurückzunehmen und mich im Mittelpunkt stehen zu lassen. Ich bedanke mich auch immer ganz artig mit kleinen Liebesbissen und dazugehörigem Ablecken ihrer Hände und Wangen. Morgens wecke ich Frauchen auf, damit sie gleich ein wenig mit mir Finger unter der Decke spielt. Das liebe ich total und manchmal bin ich halt ein bissel wild. Sie hat danach manchmal einen blutigen Finger, aber das stört sie überhaupt nicht, das gehört für sie dazu, genauso wie für meinen Katzenpapi.

Meine Menschen wissen einfach, dass, wenn eine Katze nicht stubenrein ist, ihre Seele Schaden genommen hat. Und wer empathisch ist und begreift, dass Menschen so viel von Tieren lernen können, und der sich die Mühe macht, unsere Seele kennenzulernen, dem sind wir liebevolle und treue Lebenspartner. Und nicht nur Welpen sind lieb, wir alle sind das. Gerade auch ältere Tiere. Und wir passen auch toll zu Menschen, die nicht mehr ganz jung sind. Selbst junge Menschen haben inzwischen verstanden, dass wir älteren Tiere, Hunde wie Katzen, uns auch ein liebevolles Heim wünschen. Menschen, die Tiere als Spielzeug sehen und nicht als eigenständige Wesen mit Gefühlen und Schmerzempfinden, den bitten wir, sich an ein Spielzeuggeschäft zu wenden, denn sie verdienen kein Wesen mit Gefühlen. Und bitte, überlegen Sie sich vorher, was mit uns passiert, wenn Sie in Urlaub fahren. Meine Menschen fahren seit Jahrzehnten getrennt, damit ich nicht allein bleiben muss. Leider sind nur sehr wenige Tierbesitzer bereit, sich selbst hintanzustellen und ihre Wünsche unseren tierischen Bedürfnissen anzupassen. Aber wir lieben doch unsere Menschen und wollen nicht allein gelassen werden. Sie geben ja auch nicht Ihr Baby oder Kleinkind ab, wenn Sie in Urlaub fahren wollen. Warum tun Sie das mit Ihren Tieren? Frauchen hat mal festgesellt, dass die Menschen von je her eigentlich mit völlig falschem Bewusstsein für Tiere aufgewachsen sind. Wer hat Menschen denn überhaupt jemals erlaubt, sich über Tiere zu erheben und mit welchem Recht? Mal wirklich ernsthaft drüber nachdenken!!!

Bitte scheuen Sie sich nicht, auch ein vermeintlich nicht so perfektes oder auch älteres Tier zu sich zu holen. Es mag Zeit kosten, sich anzunähern, aber die Dankbarkeit und Freude auf beiden Seiten anschließend ist mehr wert als alles andere auf der Welt. Je mehr Sie auf Ihr liebes Tier zugehen, umso eher nähert es sich Ihnen an, gerade weil es vielleicht schon mal schlechte Erfahrungen mit Menschen gesammelt halt. Man wächst an seinen Aufgaben. Und diese hier ist auch noch eine schöne. Lassen Sie Ihrem Tier alle Zeit der Welt und nehmen Sie sich die gleiche Zeit für sich. Versuchen Sie sich in die Seele Ihres Tieres hineinzuversetzen, reden Sie leise und behutsam, wenn es scheu ist, blinzeln Sie langsam und warten Sie auf das Blinzeln Ihres Lieblings, es signalisiert, dass alles in Ordnung ist, seien Sie geduldig und am Ende steht normalerweise ein dankbares schmusiges Wesen, ob Hund oder Katze, an Ihrer Seite, tröstet Sie, wenn es Ihnen nicht gut geht, liegt neben Ihnen und bewacht Sie, wenn Sie krank sind. Und bitte überlegen Sie sich vorher, ob Sie das Geld für einen Tierarzt haben. Auch Ihr Tier wird mal krank werden und braucht dann Hilfe und kein Aussetzen im Wald oder an einer Autobahn. Sie werden ebenfalls mal krank und wollen auch, dass Ihnen geholfen wird.  Meine Menschen waren schon mit mir beim Tierarzt, weil ich Atemgeräusche habe. Meine Lunge ist gezeichnet, aber es ist bis jetzt nichts Ernstes. Und ich kann mich blind darauf verlassen, dass sie alles Menschenmögliche für mich tun werden, sollte ich mal ernsthaft krank werden. Tiere haben so viel mehr Empathie als Menschen und sie schenken sie Ihnen als Tierbesitzer von ganzem Herzen. Genießen Sie es, hoffentlich viele Jahre lang.

Im Tierkrematorium München hängt der schöne Spruch von Franz von Assisi an der Wand, leicht abgewandelt:

 

Dass mir das Tier das Liebste sein, sprichst du, oh Mensch, sei Sünde.

Das Tier bleibt treu mir auch im Sturm, der Mensch nicht mal im Winde

 

Alle Neuigkeiten