Als Tierschützer*in ist man es zweifellos gewohnt, immer wieder in menschliche Abgründe zu blicken. Doch was einem neugeborenen Katzenbaby vergangenen Donnerstag, den 5. Mai 2022 angetan wurde, zeigt den Grad der Verrohung unserer Gesellschaft in besonderem Maße:

Ein Passant fand das winzig kleine Kitten am Abend gegen 20.00 Uhr in einer zugeknoteten Plastiktüte im Gebüsch in der Renatastraße auf Höhe der Hausnummer 34 (Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg). Da das Baby noch die Nabelschnur am Bauch hatte und samt Plazenta in der Tüte lag, lässt sich darauf schließen, dass es seiner Katzenmama direkt nach der Geburt entrissen und „entsorgt“ wurde. Die grausame Tat muss kurz zuvor begangen worden sein, da das Kleine noch am Leben war. Wenig später wäre es sicher qualvoll erstickt.

Der Finder befreite den Katzenwelpen aus der Tüte und rief die Tierrettung. In der Tierklinik der LMU wurde er notversorgt und am nächsten Morgen an unser Tierheim weiterüberwiesen. Nun kämpfen unsere Katzenpflegerinnen seit Freitag um das Leben des kleinen Wesens, wärmen und füttern es alle zwei Stunden mit der Flasche.

Gegen alle Erwartungen und Bemühungen des Täters/der Täterin hat das Katzenmädchen bisher überlebt. Es ist eine Kämpferin! Unsere Pflegerinnen nannten sie deshalb „Lagertha“ – nach einer Heldin aus der TV-Serie „Vikings“. Noch ist unsere Lagertha allerdings nicht über den Berg. Erst die Entwicklung der nächsten Wochen werden zeigen, ob sie überlebt.

Die Tierklinik der LMU und wir haben Anzeige wegen Tierquälerei erstattet und bitten um Zeugenhinweise. Wer hat vergangenen Donnerstag in der Renatastraße in Nymphenburg verdächtige Beobachtungen gemacht oder kann Hinweise geben, die zum Täter bzw. zur Täterin führen? Bitte wendet euch mit ermittlungsrelevanten Informationen an die nächste Polizeidienststelle.

Tiere sind empfindsame, leidensfähige Lebewesen. Man stelle sich nur einen Moment lang vor, wie es sich anfühlen muss, qualvoll in einer Plastiktüte zu ersticken. Die Skrupellosigkeit, sich auf diese Art eines unerwünschten Katzennachwuchses zu entledigen, macht uns fassungslos.

Wer die Verantwortung scheut, sich um den Nachwuchs seiner Katze zu kümmern, der lässt sie rechtzeitig kastrieren oder bringt zumindest so viel Anstand auf, die Babies im Tierheim abzugeben, statt sie grausam zu töten und wie Abfall ins Gebüsch zu schleudern.

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