Circus Krone hat am 17.02.2022 sein neues Programm „New Memoires“ in München gestartet.

Doch statt die pandemiebedingte Zwangspause wie viele Künstler*innen dafür zu nutzen, das eigene Programm weiterzuentwickeln und endlich mit der Zeit zu gehen, hat Krone mit der neuen Show offenbar wieder nur seine alten Kamellen neu aufgelegt. Noch immer müssen Wildtiere zur Unterhaltung des Publikums herhalten.

Und fast noch skandalöser: etliche lokale und regionale Medien drucken völlig kritiklose Werbeartikel zum „Krone-Neustart“. Promis präsentierten sich bei der Premiere letzte Woche und schwärmten von der „innigen Beziehung“ des Raubtierdompteurs zu seinen Großkatzen. Dieser lässt verlauten, seine Raubtiere könnten es kaum erwarten, in die Manege zu treten, sie liebten den Applaus! Und niemand scheint zu widersprechen.

Die Löwen sollen den Applaus lieben? Nicht mal domestizierte Tiere wie Hunde lieben Applaus! Im besten Fall macht er ihnen nichts aus, in der Regel aber bereitet Trubel und Lärm Tieren Stress. Ausgerechnet Wildtiere aber sollen hier das Rampenlicht genießen? Liebe betreffende Medienvertreter*innen, das kann doch nicht euer Ernst sein?!

Seit vielen Jahren fordern Tierschutzverbände, Tierärzte und Wildtierexperten die Abschaffung dieses veralteten und tierquälerischen Unterhaltungskonzepts. Der Bundesrat hat immer wieder eine entsprechende Gesetzesinitiative vorgelegt, zuletzt 2019. Doch die damaligen Regierungsparteien hielten weiter an ihrer Blockadehaltung fest.

Fast alle unserer Nachbarländer und die allermeisten EU-Staaten haben bereits ein generelles Wildtierverbot oder zumindest ein Verbot bestimmter Tierarten im Zirkus beschlossen. Nur sehr wenige Länder lassen Wildtiere im Zirkus noch uneingeschränkt zu. Damit gehört Deutschland zu den traurigen Schlusslichtern im Tierschutz.

Das Konzept der Tiernummern in Zirkussen ist absolut nicht mehr zeitgemäß und gehört längst in die Geschichtsbücher verbannt. Stattdessen ist es an der Zeit – nein eigentlich schon längst überfällig, unsere Mensch-Tier-Beziehung zu verbessern, traditionelle Unterhaltungsformen auf Kosten von Tieren abzuschaffen und echten Fortschritt auch im Tierschutz zuzulassen.

Auch wenn die Bundespolitik es bis dato versäumt hat zu handeln, so haben glücklicherweise zahlreiche deutsche Städte und Gemeinden den politischen Beschluss gefasst, Zirkusbetriebe mit (bestimmten) Wildtierarten auf kommunalen Flächen nicht mehr zuzulassen. Und ausgerechnet München, die „Weltstadt mit Herz“, fällt vor Krone regelmäßig auf die Knie?! Uns ist klar, dass es sich bei diesem Zirkus um einen außerordentlich einflussreichen Münchner Traditionsbetrieb handelt. Doch Traditionen dürfen nicht auf dem Leid von empfindsamen Lebewesen basieren. Die gute Nachricht: Das müssen sie auch gar nicht! Denn auch Unterhaltungskonzepte können fortentwickelt und modernisiert werden. Warum nur ist Circus Krone dazu nicht in der Lage? 

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