Jedem sollte bewusst sein, dass wenn er sich ein Tier zulegt, er eine Fürsorgepflicht gegenüber diesem hilfsbedürftigen Lebewesen hat.
Das Ausmaß derartiger Grausamkeiten, wie es in diesem Fall vorkam ist für uns als tierliebende Menschen umso unbegreiflicher.

Die Rettung begann mit einem Anruf bei der Inspektorenabteilung. Weinend war eine sehr aufgelöste Frau am Telefon, die kaum in der Lage war sich zu artikulieren. Obwohl der Vorfall schon mehrere Stunden her war, stand sie offenbar noch immer unter Schock.
Sie berichtete zunächst einen Mann oben vor einem Restaurant gesehen zu haben, der einen jungen, etwa 9 Monate alten Dobermann an einer Halsbandschlinge soweit hochgezogen hat, dass der Hund mit den Vorderbeinen in der Luft schwebte.
Als sie wenig später in die Tiefgarage fuhr, hörte sie ein Röcheln, sowie ein dumpfes Geräusch. In der hintersten Ecke der Tiefgarage erblickte sie dann den vorher schon gesichteten Mann. Der braune Dobermann lag auf der rechten Seite auf dem Boden, während der Mann ihm mit Wucht in die Rippen und den Bauch getreten hat. Weiterhin war die Schlinge um den Hals des Dobermannes zugezogen und hat ihm die Luft abgedrückt. Der Hund hätte panisch geweitete Augen und immer wieder Kot abgesetzt. Die Versuche der Frau den Mann von der Gewalt an seinem Hund abzubringen waren nicht erfolgreich und mit erzieherischen Maßnahmen eines Hundes dieser Rasse begründet worden.

Daraufhin rannte die Frau aufgelöst an ihren Arbeitsplatz in der Nähe und wurde von zwei Kollegen zurück begleitet. Bereits am Eingang in die Tiefgarage konnten diese erneut dumpfe Geräusche, sowie Schmerzenslaute des Hundes hören. Weiterhin würgte der Mann den Hund, so dass dieser hustete und röchelte. Noch mehr Angstkot war auf dem Boden. Inzwischen blutete der Dobermann an der Schläfe und aus dem Maul. Während der Kollege die Polizei rief, versuchte die Kollegin den Mann erfolglos davon abzubringen den Hund mit der Halsbandschlinge zu würgen. Dieser behauptete, dass der Hund beiße und erzogen werden müsse. Als er hörte, dass die Polizei gerufen wurde flüchtete er. Als die Zeugen versuchten den Mann aufzuhalten wurde eine von ihnen umgestoßen und dabei beim Stoß verletzt. Obwohl versucht wurde dem Mann zu folgen konnte er mit seinem Hund fliehen.

Da der Mann unbekannt entkommen war, hatte die Frau verzweifelt bei den Inspektoren angerufen in der Hoffnung, dass diese irgendwie helfen konnten. Denn da keine Einsicht oder gar Bedauern des brutalen Besitzers zu sehen war, sorgte sie sich sehr um das Wohlbefinden des Hundes.

Normalerweise ist es für einen privaten Tierschutzverein schwierig, fast unmöglich den unbekannten Halter eines namenlosen Hundes zu ermitteln.
In diesem Fall gab es jedoch Glück im Unglück, denn unserer Inspektorin Frau Schübel, die den Anruf entgegen nahm, war ein ähnlicher Fall bereits vertraut. Eine Meldung von vor einigen Monaten. Ein Mann sei grob mit seinem jungen Dobermann umgegangen. Er habe ihn mit dem Knie gegen seinen Hund getreten.
Damals konnte nichts weiter als eine Belehrung unternommen werden, sowohl vom Tierschutzverein wie auch bei einer weiteren Meldung vom Veterinäramt, denn der Besitzer leugnete alles, der Hund verhielt sich zutraulich seinem Besitzer gegenüber und es waren keine Verletzungen zu sehen. Beweise gab es keine.
Die damals vor Ort gewesene Inspektorin Frau Bachmann rief die Anruferin zurück und sowohl das Aussehen des Mannes, wie auch des Hundes wurden abgeglichen. Beides stimmte überein. Mit dieser Information, Hilfe einer Anwältin und einer weiteren Identifizierung konnte der Besitzer endgültig bewiesen und der Hund weggenommen werden. Zurück muss der arme Dobermann hoffentlich niemals.

Dobby, wie er inzwischen im Tierheim umgetauft wurde, zeigt sich in keinen Situationen als bissig oder gefährlich. Er ist ein extrem freundlicher Dobermann mit leider starkem Misstrauen gegenüber dem Menschen. Gerade im Halsbereich möchte er nicht berührt werden, weicht dann aber nur zurück oder bellt. Nach vorne gehen oder gar beißen wollte er nie. Gegenüber bekannten Pflegern zeigt er sich inzwischen schon deutlich aufgeschlossener und albert auch mal herum.

 

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