Sieben verwahrloste Listenhunde aus illegaler Zuchtanlage befreit

Ein Bild des Grauens bot sich unserer Tierschutzinspektorin, als sie vergangenen Donnerstag gegen 20.00 Uhr eine Lagerhalle in Feldmoching-Hasenbergl betrat. Eine Aktivistin hatte uns zuvor um Hilfe bei einer Rettungsaktion gebeten. Auch Polizei, KVR und Veterinäramt waren bereits involviert.

Vor Ort stellte sich heraus, dass hier eine illegale Zuchtanlage von Listenhunden aufgeflogen war. Bei der Haltung handelte es sich nicht nur um ein Gewerbe ohne Genehmigung, sondern um blanke Tierquälerei: In einer großen, dunklen Lagerhalle ohne Fenster, deren Boden mit Exkrementen übersät war, wurden insgesamt sieben Hunde vorgefunden. Ein erwachsener Deckrüde, eine säugende Mutterhündin und ihre vier Welpen im Alter von etwa 10-12 Wochen liefen frei. Eine weitere erwachsene Hündin war in einem abgetrennten Zwinger eingesperrt. Ursprünglich sollen es wohl sechs Welpen gewesen sein. Einer muss kurz zuvor verkauft worden sein und einer scheint verschwunden. In beiden Fällen ermittelt bereits die Polizei.

Die Hunde befanden sich in einem sehr schlechten Zustand: alle Welpen haben von Wurmbefall dick aufgeblähte Bäuche, zudem gab es in der Lagerhalle kein Wasser. Nur im Einzelzwinger wurde ein komplett verdreckter Wassereimer gefunden. Die erwachsenen Hunde zeigen sich bei uns scheu und ängstlich, zudem haben alle Drei kupierte Ohren – eine grausame Praktik, die in Deutschland verboten ist. Die Mutterhündin hat eine klaffende, unversorgte Fleischwunde an der Brust, woher ist nicht bekannt, außerdem eine Ohrenentzündung und abgeschliffene Schneidezähne. Die andere Hündin hat Schürfwunden am Hals, die von einer Kette stammen könnten.

Für die Feststellung der genauen Rassezugehörigkeit muss erst ein Gutachten erstellt werden. Laut Besitzer soll es sich um American Bullies XXL handeln. Diese würden in Bayern nicht unter die Listenhundeverordnung fallen und wären zur Haltung zugelassen. Aufgrund ihres Aussehens besteht allerdings der Verdacht, dass es sich um eine Kreuzung mit Pitbull Terriern oder American Staffordshire Terriern handelt, deren Haltung in Bayern – auch als Mixe – verboten ist.

 Die Hunde wurden ohne die vorgeschriebenen Papiere mutmaßlich aus der Türkei oder Bulgarien nach Deutschland geschmuggelt. Weitere Infos sind noch unklar und werden derzeit von den Behörden ermittelt. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass sie ohne ausreichenden Impfschutz aus einem Drittland stammen, steht ihnen eine mindestens dreimonatige Isolation in Tollwutquarantäne bevor. Innerhalb der EU reicht eine Quarantänezeit von mind. drei Wochen.

Die armen Fellnasen werden jetzt erstmal bei uns im Tierheim aufgepäppelt. Wie es mit ihnen weitergeht, ob sie nach ihrer Quarantänezeit an liebe- und verantwortungsvolle NeubesitzerInnen vermittelt werden dürfen und falls ja, ob eine Vermittlung auch innerhalb Bayerns möglich ist, hängt noch vom endgültigen Rassegutachten und den Behördenbeschlüssen ab.

Alle Neuigkeiten