Laut Münchner Merkur wurde in Garmisch-Partenkirchen vergangenes Wochenende bei einer Infoveranstaltung eine „Vernichtung“ von „Wolf & Co.“ gefordert. Der Landrat Anton Speer soll sich für eine „wolfsfreie Region“ (Garmisch-Partenkirchen) ausgesprochen haben. Wir sind entsetzt, Herr Speer! Es wäre ein absolutes Armutszeugnis, wenn wir in Bayern nicht zu einer friedlichen Koexistenz mit dem Wolf (und anderen großen Beutegreifern) in der Lage wären – wenn wir den Wolf, der bis 1904 schon immer bei uns zu Hause war, ein zweites Mal rücksichtslos ausrotten würden.

Auch andere Erdbewohner haben eine Daseinsberechtigung auf diesem Planeten – selbst wenn sie für uns Menschen nicht von direktem Nutzen sind – ja sogar wenn ein Interessenskonflikt vorliegt, weil sie sich an „unseren Ressourcen“, unseren „Nutz-Tieren" vergreifen.

Sowohl Großräuber als auch Nutz- und Weidetiere verdienen bestmöglichen Schutz! Dabei gibt es wirksame Maßnahmen, um Letztere zu schützen – auch auf den Almen. Jede Region hat ihre Besonderheiten, trotzdem kann Bayern sehr vieles übernehmen, was in anderen Ländern gut funktioniert. Hier müssen Herdenschutz-Experten und Nutztierhalter gemeinsam regional angepasste Lösungen entwickeln.

Es gibt verschiedene Wege, Weidetiere optimal zu schützen, z.B. mithilfe solider, nach guter fachlicher Praxis aufgebauter und regelmäßig kontrollierter Zäune. Das Einstallen der Tiere über Nacht verhindert Übergriffe (geschlossener Stall/Hänger). Gerade im Berggebiet, in Regionen mit Freiweide oder sehr großen zusammenhängenden Weideflächen können auch Nachtkoppeln oder Nachtpferche eine Lösung sein. Diese kleinen Flächen sind besser überwachbar. Eine Behirtung stellt eine zusätzliche Maßnahme dar, Herden zu beaufsichtigen. Um Kosten zu sparen, könnten (benachbarte) Weidetierhalter hier zusammenarbeiten. Auch Herdenschutzhunde können erfolgreich eingesetzt werden und Eindringlinge vertreiben.

Nach langer Untätigkeit fördert der Freistaat seit Mai 2020 nun endlich in ausgewiesenen Gebieten die Anschaffung von Zäunen, die erstmalige Installation, die zugehörige Technik, mobile Ställe und Herdenschutzhunde. Unverständlicherweise kann die Förderung aber erst beantragt werden kann, wenn es in einem Gebiet schon zu einem Riss gekommen ist oder ein Wolf dort bereits sechs Monate lang anwesend ist. Gefördert werden zudem zwar die Anschaffungskosten für Zäune und Herdenschutzhunde, nicht aber die laufenden Unterhaltskosten. Gerade bei Herdenschutzhunden mit Kosten von rund 2.500 Euro pro Hund und Jahr wäre dies aber wichtig.

Der Wolf ist immer noch stark bedroht und europaweit streng geschützt. Nur in sehr gut begründeten Ausnahmefällen und mit amtlicher Genehmigung darf ein Wolf geschossen werden. Dies ist nur dann gerechtfertigt, wenn von ihm eine Bedrohung für Menschen ausgeht. Wölfe sind aber per se für den Menschen nicht gefährlich. So gab es in Deutschland seit der Rückkehr des Wolfes vor etwa 20 Jahren keinen einzigen gefährlichen Vorfall. Wölfe sind zwar vor allem Fleischfresser, Menschen zählen aber nicht zu ihrer Beute. Dementsprechend verhalten sie sich dem Menschen gegenüber vorsichtig und greifen nicht an.

Statt Konfliktpotential auszuräumen und Weidetierhalter beim Herdenschutz konsequent zu unterstützen, bereitet die Staatsregierung mit dem „Aktionsplan Wolf“ die Einrichtung von Wolfsabschusszonen vor, die im Plan "nicht schützbare Weidegebiete" genannt werden. Die Aussage, dass unter anderem die "Zumutbarkeit" und "technische Realisierbarkeit" von Herdenschutzmaßnahmen ausschlaggebend sein sollen, lässt uns Tierschützer für die Wölfe Schlimmstes befürchten.

Laut Datenerhebung des Landesamts für Umwelt sind Hunde in Bayern sogar eine größere Gefahr für Nutztiere als Wölfe. Dazu ein Artikel in der heutigen Süddeutschen Zeitung: https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-schafe-woelfe-hunde-almen-angriff-1.5652176

Wer sich intensiver mit dem Wolf und dem Thema Herdenschutz befassen möchte, findet umfassende und fachkundige Infos auf der Homepage des Bund Naturschutz:
https://www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/wolf

Hier geht’s zum betreffenden Merkur-Artikel über die Veranstaltung in Garmisch-Partenkirchen: https://www.merkur.de/lokales/garmisch-partenkirchen/garmisch-partenkirchen-ort28711/wolf-riss-schafe-garmisch-partenkirchen-lfu-probe-vortrag-experte-almbauern-91761544.html?

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