Für Pflanzenbesitzer, Landwirtschaft und Gärtner sind sie ein Ärgernis, aber für die Natur sind sie äußerst nützlich und in ihrer Anpassung sehr faszinierend: Blattläuse! Die ersten davon im Garten traten jetzt im April auf.

Gibt man „Blattlaus“ in eine Suchmaschine ein, bekommt man fast nur Methoden zur Bekämpfung vorgeschlagen. Dabei steckt hinter den kleinen Tieren so viel mehr als nur ein „Schädling“, den es zu vernichten gilt. Blattläuse sind Überlebensexperten. Sie existieren seit 300 Millionen Jahren.

Ihr Jahreszyklus beginnt in einem befruchteten Ei, das über den Winter geruht hat. Danach ist zur Fortpflanzung keine Befruchtung/Paarung mehr nötig, auch keine Eier oder gar Männchen werden gebraucht. Blattläuse vermehren sich durch Jungfernzeugung. Das bedeutet, sie erschaffen einfach Klone von sich selbst, bis zu fünf täglich. Diese werden lebend geboren, das spart die Zeit einer Eientwicklung und Schlupf. Entsprechend rasant kann sich die Anzahl von Blattläusen erhöhen.

Geflügelt sind Blattläuse im Herbst, damit sie die Wirtspflanze wechseln können, dann werden auch wieder Männchen geboren, denn für das Überwinterungsei ist eine Befruchtung nötig. Blattläuse können jedoch auch im Sommer geflügelte Klone erschaffen, auch wenn die Mutter ohne Flügel ist. Ausgelöst wird dies z.B. wenn ein großer Angriff durch Fressfeinde wir Marienkäfer- oder Florfliegenlarven stattfindet oder wenn die Wirtspflanze sehr geschwächt ist. So kann die neue Generation zu einer anderen Pflanze fliegen, während der Rest verspeist wird. Nähert sich ein Pflanzenfresser und die Blattläuse drohen mitgegessen zu werden, löst ein bestimmter Wert im Atem der Pflanzenfresser ein Fallenlassen der Blattläuse aus und auch hier kann es zu geflügelten Neugeburten kommen.

Blattläuse dienen sehr vielen Tieren als Nahrungsgrundlage. Vögel benutzen sie in Massen als Nahrung für ihre Jungen. Spinnen, Gallmücken sowie verschiedene Larven wie die des Marienkäfers, der Florfliege und der Schlupfwespe ernähren sich teilweise ausschließlich von ihnen.

Aber auch ihre Ausscheidungen sind sehr begehrt. Denn von dem Pflanzensaft, den Blattläuse aufsaugen, benötigen sie nur die Proteine, die zahlreichen Kohlenhydrate werden als zuckerhaltiger Honigtau wieder ausgeschieden. Ameisen lieben Honigtau und halten sich Blattläuse wie Nutztiere. Sie beschützen sie vor Fressfeinden, reinigen sie und transportieren sie sogar auf neue „Weidegründe“. Eine Blattlaus, die Honigtau ausgeschieden hat, signalisiert der Ameise mit einem extra Lockstoff ein Abtragen. Der Blattlaus könnte es nämlich sonst das Hinterteil verkleben. So ganz harmlos ist dieses scheinbare Abkommen jedoch nicht immer. Denn um die Blattläuse dort zu halten, wo die Ameisen sie haben wollen, werden ihnen auch mal die Flügel abgebissen. Ebenso können Ameisen Stoffe absondern, welche die Bewegungen von Blattläusen erheblich verlangsamen und somit eine Flucht verhindern. Aber auch Bienen lieben Honigtau und sammeln diesen, woraus Imker einen sehr beliebten und teuren Honig gewinnen können.

Das Hauptproblem verursacht durch Blattläuse ist nicht das Saugen an sich, sondern, ebenso wie bei blutsaugenden Zecken und Mücken, die Übertragung von Krankheiten.
Wer Blattläuse im eigenen Garten bekämpfen möchte, sollte unbedingt auf chemische Gifte verzichten. Die naturfreundlichste Methode ist das Fördern der Fressfeinde wie Schlupfwespen und Marienkäfer. Marienkäferlarven lassen sich auch leicht einsammeln und an befallenen Pflanzen ansetzen.  Ansonsten gibt es auch die Möglichkeit, Blattläuse mit einem starken Wasserstrahl wiederholt abzuwaschen oder Hausmittel wie Brennnesselsud, Schmierseife oder Spiritus zu verwenden.

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