Wer sie sieht, denkt automatisch ans Meer und verbindet ihre markanten Rufe mit dem Flair der Küste. Umso überraschender ist der Anblick von Möwen in südlichen Großstädten, weitab von Nord- und Ostsee, und das auch noch mitten im Winter. In München waren im Januar ungewöhnlich viele Möwen zu sehen, hauptsächlich Lachmöwen. Dies liegt am reichhaltigen Nahrungsangebot und den milderen Temperaturen. Häufig werden die klugen Vögel dabei beobachtet, wie sie sich in der Nähe von Pausenhöfen von Grundschulen aufhalten. Sie haben gelernt, dass kleine Menschen besonders oft Essen verlieren. Bei der Nahrung sind sie nicht wählerisch. Sie fressen eigentlich alles. Leider sterben sie deshalb häufig an verzehrtem Plastik und anderem Müll. Unverdauliche Nahrungsmittel wie Muschelschalen, Knochen oder Fell gehören zwar natürlicherweise zu ihrem Nahrungsspektrum und sie haben einen hervorragenden Trick entwickelt, sie wieder los zu werden, aber bei Plastikmüll und Schnüren hilft das oft nichts. Wie Eulen würgen sie sogenannte Gewölle hervor, im Magen eng zusammengepresste Ballen aus unverdaulichen Resten. Möwen können übrigens auch Meerwasser trinken. Das überschüssige Salz wird einfach mittels Drüsen über die Nasenlöcher wieder ausgeschieden.

Die Lachmöwe ist leicht von anderen Möwen zu unterscheiden, da sie die kleinste in Europa brütende Art ist. Zudem trägt sie zwischen März und Juni ihr sogenanntes „Prachtkleid“ mit schwarz oder braun gefärbtem Köpfchen. Im Winter verliert sie diese Färbung und wird weiß, aber man kann sie, neben der geringen Körpergröße, auch anhand ihres schwarzen Ohrenflecks von anderen Möwen unterscheiden.

Den Namen „Lachmöwe“ hat sie durch ihren krächzenden Ruf erhalten, der gerade in lautstarken Kolonien an Gelächter erinnert. Brutpaare gibt es in München nur wenige; die jetzt so zahlreich beobachteten Möwen sind Wintergäste aus nördlicheren und östlicheren Ländern. Zur Fortpflanzung benötigen Lachmöwen, wie auch andere ihrer Art, Gewässer. Sie brüten in Kolonien und bauen ihre Nester am Boden in Wassernähe. Jungmöwen dürfen sich erst im Alter von drei Jahren, wenn sie ihren dunkel gefärbten Kopf bekommen, einer Brutkolonie anschließen. Lachmöweneltern kümmern sich zu zweit fürsorglich um ihren Nachwuchs und verteidigen diesen sehr aggressiv, auch gegenüber Menschen. Nähert man sich einem besetzten Nest, kann das nicht nur schmerzhaft für den Menschen werden; Lachmöwen sind auch sehr störungsanfällig und geben ihr Gelege möglicherweise auf. Um die Vögel zu schützen, sollte während der Brutzeit von April bis Juli unbedingt ein großer Abstand zu ihren Brutplätzen eingehalten werden. Auch von Umweltverschmutzung und Insektiziden sind sie stark betroffen. Über die Anreicherung von Giftstoffen in der Nahrungskette sterben Möwen oft an schadstoffbelastetem Fisch oder Meeresfrüchten.

Obwohl die Lachmöwe nicht als gefährdet gilt, ist sie doch eine Art, die vom Klimawandel besonders betroffen sein könnte.

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