Mit scheinbar unstillbarem Hunger vernichten sie unser Gemüse und gelten als Landwirtschaftschädling. Sie wird sogar zu den 100 eingewanderten Arten gezählt, die in Europa den schlimmsten Schaden anrichten. Die spanische Wegschnecke hat jeder schon einmal gesehen. Sie gehört zu den Nacktschnecken und lange nahm man an, dass sie im zweiten Weltkrieg über Handelswege eingeschleppt wurde. Erst 2014 konnte wissenschaftlich auf Genebene nachgewiesen werden, dass die bei uns vorkommenden „spanischen Wegschnecken“ doch keine Einwanderer sind, sondern eine in Zentraleuropa heimische Schneckenart. In den angeblichen Herkunftsländern hingegen gibt es die „spanische Wegschnecke“ gar nicht. Besser wäre es also, sie mit ihrem Zweitnamen anzusprechen: Kapuzinerschnecke.

Warum sie sich so intensiv vermehrt? Das könnte an den veränderten Anbaumethoden der industriellen Landwirtschaft liegen. Nachweislich breitet sich die spanische Wegschnecke immer weiter nach Nord- und Osteuropa aus. Zudem scheint ihre Zahl jedes Jahr neue Rekorde zu brechen. Auch 2024 treten sie wegen des vielen Regens besonders zahlreich auf. Dabei verdrängt sie auch andere Schneckenarten.

Doch warum ist gerade die spanische Wegschnecke so erfolgreich? Sie hat viele verschiedene Strategien entwickelt, die ihr einen Vorteil gegenüber anderen Schnecken bietet. Zunächst einmal ist sie absolut nicht wählerisch, was ihr Essen angeht, und sie probiert gerne einmal Neues aus. Neben Blumenpflanzen, Obst und Gemüse frisst sie auch Kot und verwesende oder geschwächte Tiere. Schmackhafte Nahrung wie Salate kann sie über große Distanzen riechen und lässt sich davon anlocken.

Bitterstoffe machen sie im Gegenzug sehr unattraktiv für Fressfeinde. Die Absonderung von viel zähem Schleim sorgt zusätzlich dafür, dass Fressfeinde, sollten sie doch einen Happen nehmen, an der Schnecke ersticken. Auch sind sie sehr robust, was Umwelteinflüsse angeht. Wo andere Schnecken kiesige Wege oder trockene Betonflächen meiden, kann das gefräßige Weichtier weite Strecken darüberkriechen, ohne Schaden zu nehmen. Selbst starke Sonneneinstrahlung macht ihr nichts aus. Zudem kann sie hervorragend klettern und sich auch aus großen Höhen mittels eines Schleimfadens abseilen.

Sie legt mehr Eier als andere Arten und ist bei der Partnerwahl nicht wählerisch. So paart sie sich teils mit anderen Nacktschnecken in neu eroberten Gebieten und übernimmt für den Nachwuchs dessen genetische Umgebungsanpassung. Zudem sehen alle Nachkommen wieder aus wie spanische Wegschnecken.

Städte liebt sie. Erstens ist es dort wesentlich wärmer und die Winter lassen sich besser überstehen, zweitens gießt der fürsorgliche Gärtner dort regelmäßig seine Pflanzen und schafft somit eine perfekte feuchte Umgebung. Durch häufig unnatürliche und aufgeräumte Gärten siedeln sich auch keine Igel, Kröten, Laufkäfer, Spitzmäuse oder Blindschleichen an, die zumindest für die ganz jungen Schnecken noch Fressfeinde darstellen können.

Wer diese Nacktschnecke bekämpfen möchte, sollte auf Schneckenkorn oder Gift unbedingt verzichten. Viele andere Tiere könnten davon fressen und daran sterben. Außerdem sollte immer darauf geachtet werden, dass nicht alle Schneckenarten wahllos bekämpft werden. Häuserschnecken z.B. sind in der Regel harmlos bzw. sogar nützlich für den Garten, denn anstelle von frischem Gemüse bevorzugen sie abgestorbene Pflanzenteile und fungieren somit als Aufräumkomando.

Schnecken wie die Weinbergschnecke und der Schnegel fressen gerne das Gelege von spanischen Wegschnecken. Da diese Arten auch in Bierfallen kriechen könnten, sollte darauf ebenfalls verzichtet werden.

Die besten Gegenmaßnahmen sind der Schutz der gewünschten Pflanzen durch entsprechende Schneckenzäune und das Gießen nur am Morgen. Auch können den Schnecken Unterschlupfmöglichkeiten wie große Blätter oder Bretter angeboten werden, wo man sie tagsüber absammeln kann. Hier kann man die Arten dann auch gezielter auswählen. Die Tiere sollten übrigens nicht im Wald ausgesetzt werden, da sie dort anderen Schneckenarten gefährlich werden können. Geeigneter sind zum Beispiel Hundewiesen, wo sie dann netterweise die Häufchen fressen. Und eine letzte Bitte: Töten Sie die kleinen Schleimer nicht mit Salz, das ist unnötig grausam.


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