Jahrelang auf vier Quadratmetern eingesperrt:
Wie viel Leid kann ein Tier ertragen – und wie lange schaut das Umfeld weg? Ende letzten Jahres erreichte unseren Tierschutzverein die Meldung einer aufmerksamen Bürgerin: Ein älterer Hund werde im Münchner Stadtteil Hasenbergl offenbar dauerhaft auf einem Balkon gehalten, wirke blind, verwahrlost und in einem schlechten Allgemeinzustand.
Unser Tierschutzinspektor Raffael Stock fuhr umgehend zum entsprechenden Anwesen. Vor Ort bot sich ihm ein erschütterndes Bild: Eine rund zehnjährige Akitahündin lebte nahezu permanent auf einem etwa vier Quadratmeter großen Balkon im zweiten Stock, rund ein Quadratmeter wurde von einer Hundehütte eingenommen. Darin lag Diva, wie die Hundeseniorin heißt, auf blankem Holzboden, ohne Decke, ohne Polster. Zwar stand eine Schüssel mit Wasser bereit, doch von menschlicher Fürsorge konnte keine Rede sein.
Die Hündin machte einen bemitleidenswert schlechten Eindruck: Sie ist vollständig blind, bewegte sich unsicher und schwankend, ihre Krallen waren viel zu lang und teilweise bereits rund gewachsen. An den Pfoten zeigten sich offene, wunde Stellen. Laut Aussage der Halterin sei Diva im Laufe der Zeit erblindet. Warum, wisse sie nicht; für einen Tierarzt habe das Geld gefehlt. Auch regelmäßige Spaziergänge erschienen angesichts des Zustands der Hündin und der langen Krallen ganz und gar nicht glaubhaft. In der Wohnung war weder ein Hundebett noch ein geeigneter Liegeplatz zu sehen.
Aufgrund der deutlichen Hinweise auf eine tierschutzwidrige Haltung wurde der Fall umgehend an das Veterinäramt München weitergeleitet. Das Amt reagierte schnell und stellte die vernachlässigte Diva gemeinsam mit unserem Tierschutzinspektor sicher.
In unserer Tierarztpraxis bestätigte sich dann der schlimme Verdacht der Verwahrlosung: Diva befand sich in einem chronisch schlechten Pflege- und Ernährungszustand. Sie war stark untergewichtig, die Haut extrem trocken, juckend und schuppig, das Fell ließ sich büschelweise auszupfen. Ihre Augen sind schwer geschädigt – auf einer Seite ist kein Augapfel mehr sichtbar, auf der anderen ist er vollständig getrübt. Auch ihr Gehör ist geschädigt. Hinzu kamen massive Zahnprobleme, entzündete Hautstellen, viel zu lange Krallen sowie kleinere Tumore. Ein alter, schwer kranker Hund, der offenbar viel zu lange sich selbst überlassen wurde.
Umso bewegender ist Divas Wesen. Trotz Blindheit, Schmerzen und jahrelanger Isolation zeigt sich die alte Hündin im Tierheim außergewöhnlich lieb und zutraulich. Sie sucht vorsichtig die Nähe zum Menschen, lässt sich ruhig anfassen und nimmt jede Zuwendung dankbar an.
Neben aller Erleichterung über Divas Rettung wirft der Fall auch unbequeme Fragen auf. Die Halterin scheint selbst gesundheitlich eingeschränkt zu sein und war offensichtlich nicht mehr in der Lage, ihren Hund angemessen zu versorgen. Krankheit und Überforderung können jeden treffen – sie dürfen jedoch kein Grund sein, ein Tier derart leiden zu lassen! Umso unverständlicher ist es, dass offenbar niemand aus dem familiären Umfeld eingeschritten ist und Hilfe geleistet hat, obwohl Angehörige regelmäßig in der Wohnung ein und aus gingen. Auch die Nachbarn schauten offenbar jahrelang einfach zu.
Divas Fall zeigt ein weiteres Mal eindrücklich, wie wichtig es ist, sich rechtzeitig Unterstützung (zum Beispiel eines Tierschutzvereins) zu suchen oder Verantwortung abzugeben. Tiere können ihre Not nicht artikulieren. Sie sind darauf angewiesen, dass Menschen für sie sorgen und handeln.
In der Obhut des Münchner Tierheims erhält Diva die liebevolle Fürsorge, die sie verdient. Die behördliche Freigabe ist bereits erteilt: Nach den nötigen Behandlungen ist die süße Hunde-Oma jetzt fit genug, um in ein neues Zuhause vermittelt zu werden, wo sie einen würdevollen und behüteten Lebensabend verbringen kann. Aufgrund ihrer Einschränkungen benötigt Diva eine besonders einfühlsame Führung sowie ein stabiles Umfeld mit regelmäßigen Abläufen. Ein ebenerdiges Zuhause in ruhiger Lage ist für Diva sehr wichtig, idealerweise ein Haus mit Garten oder eine Wohnung im Erdgeschoss, in der sie sich sicher bewegen kann. Mit anderen Hunden und kleinen Kindern kommt die sehr menschenbezogene Akita-Dame nicht zurecht.
Haben Sie vielleicht das richtige Plätzchen für unsere gehandicapte Seniorin? Dann wenden Sie sich gerne für weitere Infos an unsere Hundequarantäne unter 089 921 000-430 (von 13 bis 16 Uhr).