Dieses Jahr waren sie besonders häufig zu sehen: Bäume, die über und über mit etwas Spinnwebartigem überzogen sind - gespenstisch. Darunter fast vollständig kahle Äste. Ein Bild, das wirkt, als hätte man für Halloween dekoriert und das im Mai oder Juni.
Was die Bäume so gruselig einspinnt ist jedoch keine Spinne, sondern ein kleines, flauschiges, weißes Geschöpf mit schwarzen Punkten. Die Gespinstmotte umfasst in Deutschland rund 70 Arten. Viele spezialisieren sich auf bestimmte Bäume. In der Regel haben sie maximal zwei Wirtsbäume. Am häufigsten und auffälligsten sind die Traubenkirschen-, Pfaffenhütchen-, Pflaumen- und Apfelgespinnstmotten.
Das Gespinst ist meist so umfangreich, dass der komplette Baum eingesponnen ist. Die Netze dienen dabei dem Schutz vor Fressfeinden und dem Wetter. Darunter, sicher behütet, befinden sich hunderte Gespinstmottenraupen, die friedlich und kollektiv Blätter sowie Knospen fressen. Vor allem dieses Jahr konnte ein massenhaftes Auftreten von Gespinstmottenraupen beobachtet werden, begünstigt durch den trockenen und heißen Frühling.
Haben sich die kleinen Raupen vollgefressen und sind bereit, sich in eine Motte zu verwandeln, kriechen sie den Baumstamm hinunter und verpuppen sich im Schutz des Gespinsts an dessen Stamm. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden vor allem in Südtirol sogenannte „Spinnwebbilder“ produziert. Es handelte sich dabei um Gemälde, deren Malunterlagen aus Gespinstmottengespinsten hergestellt worden waren.
Bekämpft werden müssen die Motten in der Regel nicht. Befallene Bäume überstehen die Raupen meist gut und treiben im Juli wieder neu aus. Lediglich bei Obstbäumen stellt der Befall einen wirtschaftlichen Schaden dar, da im gleichen Jahre keine oder nur sehr kleine Früchte gebildet werden.
Auf Insektizide und auch alternative Varianten wie Bacillus thuringiensis sollte dennoch verzichtet werden, da hier auch andere Insekten und Schmetterlingsarten sterben. Die umweltfreundlichste Methode ist es, die Nester oder Raupen abzusammeln oder betroffene Äste abzuschneiden. Auch das Abspritzen des Baumes mit einem Wasserschlauch und anschließenden Absammeln der Raupen am Boden gilt als effektiv.
Nicht verwechseln sollte man die Gespinstmottenraupen mit den Eichenprozessionsspinnern. Während die Gespinstmotten keine Brennhaare haben und ungefährlich sind, stellen Eichenprozessionsspinner eine Gefahr für Menschen und Hunde dar. Durch das in den Brennhaaren enthaltene Nesselgift entstehen Haut- und Augenreizungen. Bei Hunden kann das Einatmen zu Erstickung führen.