Vögel sind Wildtiere - füttern nur in Notzeiten!

Beachtet der Mensch grundlegende Regeln, ist das Überleben der heimischen Wintervögel gesichert. Ab wann gefüttert werden sollte, ist vom Umfeld abhängig. Beginnen Sie mit der Fütterung, wenn die natürlichen Futterquellen weniger werden, bzw. nicht mehr zugänglich sind. Das kann in einem Hinterhof mit wenig Grün schon früh sein, im Naturgarten aber erst sehr spät.

Sollte man überhaupt füttern?

Keine Frage, es macht Spaß, im Winter die bunte Vogelschar am Futterhäuschen zu beobachten, die sich frische Körner und Weichfutter holt. Schadet ja auch keinem, oder? Im Gegenteil, man hilft den Vögeln so doch über den Winter? Aber wie so oft im Leben ist auch die Vogelfütterung ein zweischneidiges Schwert: Man hilft hier zum größten Teil den Arten, die sowieso ganz gut zurechtkommen und diese Unterstützung für den Fortbestand der Art gar nicht benötigen. Das Futter für sie muss aber irgendwo angebaut werden. Die nötige Landwirtschaft schadet so zusätzlich den Arten, die bereits seltener sind und mit fehlendem Lebensraum kämpfen. In Deutschland wurden im Jahr 2025 rund 134 Millionen Euro für Wildvogelfutter ausgegeben. Das entspricht etwa 80.000 bis 100.000 Tonnen Futter. 20 bis 30 Prozent davon stammen aus Deutschland. Der Anbau beansprucht ein Areal von ca. 30.000 bis 45.000 Hektar, das entspricht etwa der Fläche Bremens, und das jedes Jahr nur für den Verbrauch des hierzulande angebauten Futters. Das könnte auch ein schönes großes Naturschutzgebiet sein, in dem die Vögel ganz ohne menschliche Hilfe zurechtkommen. Nur mal so ein Gedanke... Wenn Sie trotzdem weiterhin füttern wollen, folgen hier ein paar Infos, wie man es richtig macht.

Faustregel: Bei geschlossener Schneedecke regelmäßig füttern

In eisigen Nächten braucht ein Vogel große Mengen Energie, um den Stoffwechsel und die eigene Körpertemperatur von rund vierzig Grad gegen die Kälte der Umgebung aufrecht zu erhalten. Labormessungen haben ergeben, dass Meisen in einer einzigen Kältenacht bis zu zehn Prozent ihres Gewichts verlieren. Kommen noch widrige Witterungsbedingungen wie eine geschlossene Schneedecke hinzu, kann jedes Körnchen Futter das pure Überleben bedeuten. In diesem Fall ist eine regelmäßige Fütterung durch den Menschen angebracht.

Wenn gefüttert wird – bitte richtig

Ist das winterliche Wetter bei offener Schneedecke mild, finden die Tiere auch ohne Hilfe des Menschen ausreichend Nahrung. Vögel sind Wildtiere und dürfen nicht durch übertriebene Fütterungsmaßnahmen vom Menschen abhängig gemacht werden. Zudem kann gut gemeinte Fütterung den Vögeln Schaden zufügen, wenn sie bis ins Frühjahr von Menschen mit Körnern verwöhnt werden.

Bedacht werden muss: Die Vögel geben die ihnen gereichte Nahrung an ihre Jungen weiter, für die jedoch Kornfutter nur schwer verdaulich ist und daher oft zu deren Tod führt. Die Jungvögel brauchen proteinhaltige Nahrung wie Raupen oder Insekten, um nicht an Nährstoffmangel zugrunde zu gehen. Die Insekten kann man ihnen am besten durch eine naturnahe Gartenbewirtschaftung zur Verfügung stellen.

Die besten Chancen bieten Sie den Vögeln, wenn Sie folgendes beachten: heimische Beerensträucher pflanzen, kein Gift verwenden, auch „Unkraut" darf blühen, Samen- und Fruchtstände stehen lassen. Pflanzen mit gefüllten Blüten sind nutzlos für Vögel, da sie keine Früchte entwickeln. Vor allem aber dürfen Sie kein Gift gegen "lästige" Gartengäste wie Ameisen, Blattläuse, Raupen etc. einsetzen!

Wann soll gefüttert werden?

Die beste Tageszeit für die Vogelfütterung ist der frühe Morgen und der frühe Abend, da die Tiere dann besonders hungrig sind. Die Futterstelle sollte bei Tagesanbruch, wenn die Vögel nach überstandener Nacht am schwächsten sind, bereits gefüllt sein. Dadurch erhalten sie genügend Reserven, um nachmittags ihre natürlichen Nahrungsquellen, die auch bei extremen Bedingungen in gewissem Maße vorhanden sind, zu erschließen.

Abends müssen die Vögel wieder Energie für die frostige Nacht tanken. Frisches Futter sollte man möglichst etwa zwei Stunden vor Beginn der Dämmerung verteilen, damit unsere gefiederten Freunde nach dem Fressen noch genügend Zeit haben, sich einen Schlafplatz zu suchen.

Was soll gefüttert werden?

Heimische Singvögel bitte nur mit artgerechtem Futter versorgen. Vögel sind entweder Körnerfresser mit dickem und kräftigem Schnabel wie Finken und Sperlinge oder Weichfresser mit spitzem und schlankem Schnabel wie Rotkehlchen, Meisen und Amseln.

Sowohl Körnermischungen mit harter Schale wie Hanf- und Sonnenblumenkerne, die sich wegen ihres Ölgehaltes besonders gut eignen, als auch weiches Futter wie Beeren, gequetschte Körner und fettreiche Nahrung wie Meisenknödel sind im Fachhandel erhältlich und zu empfehlen. Kaufen Sie nur Meisenknödel ohne Plastikumhüllung, da sich Vögel regelmäßig in den leeren Netzen verfangen. Die Kunststoffhüllen sind außerdem Umweltverschmutzung.

Verwenden Sie nur qualitativ hochwertiges Futter. Viele Discounter verkaufen Billigfutter. Es enthält oft Füllstoffe, die den Vögeln keine Nährwerte bringen und außerdem können sich darin Ambrosiasamen verbergen, da es nicht mehrfach bereinigt ist. Ambrosia ist eine durch Vogelfutter eingeschleppte Pflanze, die starke Allergien beim Menschen auslösen kann. Bei der Wahl des Futters gilt: Lieber weniger mit guter als viel mit schlechter Qualität.

Wer einen Garten hat, sollte trockene Fruchtstände von Stauden im Herbst nicht abschneiden, da Vögel darin zahlreich natürliches Futter finden. Trinkwasser benötigen die Tiere im Winter normalerweise nicht, da der Bedarf an Wasser aus Schnee oder Tau gedeckt wird und außerdem in der kalten Jahreszeit ohnehin geringer ist.

Wohin mit der Futterstelle?

Bei der Platzierung der Futterstellen ist besondere Achtsamkeit nötig, da sich die Vögel bei der Nahrungsaufnahme sicher fühlen müssen. Gefährlich für sie sind Glasscheiben. Die Futterstelle sollte entweder ganz weit weg von allen reflektierenden Scheiben oder aber (am Balkon) so dicht dran sein, dass die Vögel beim Abflug in die falsche Richtung noch keine hohe Geschwindigkeit aufgenommen haben. Dann passiert in der Regel nichts. Am besten bekleben Sie Ihre Fenster zum Schutz mit Streifen oder Mustern (gibt es z.B. im NABU-Shop). Die allseits beliebten schwarzen Vogel-Silhouetten bringen übrigens nichts. Überprüfen Sie Ihre Scheiben von außen: Spiegelt sich darin die Vegetation des Gartens? Dann flüchtet sich vielleicht so mancher Vogel genau in diese Illusionslandschaft.

Den Futterplatz sollte man auch nicht direkt bei einem Gebüsch einrichten, weil Katzen dort gerne auf ihre "Beute" lauern. Am besten ist ein Platz, der rundherum frei ist und den Vögeln den Blick in alle Richtungen ermöglicht. Ein Gebüsch in der Nähe ist vorteilhaft. Die Vögel können sich bei einem Angriff dort verstecken.

Pflege des Futterhäuschens

Futterhäuschen sollen stabil gebaut sein und dort angebracht werden, wo das Futter auch bei starkem Wind, Schnee und Regen nicht durchnässt werden kann, da es sonst verdirbt oder vereist. Am besten eignen sich Futtersilos, in denen sich keine Nahrungsreste oder Kot sammeln können. Ideal sind Futterhäuschen mit einem Spender in der Mitte. Sie bieten nur wenig Ansitzfläche; und so koten die Vögel nicht in ihr Futter oder laufen darin herum. Zur Vermeidung von Streit am Futterhaus: mehrere kleine Futterstellen im Garten anbringen.

Ins Häuschen gehört nur so viel frisches Futter, wie die gefiederten Gäste an einem Tag verzehren. Menschen sollten niemals einen Wochenvorrat ausstreuen und dann die Futterstelle ihrem Schicksal überlassen. Die regelmäßige Reinigung des Häuschens mit heißem Wasser ist sehr wichtig. Unsaubere Futterstellen bergen die Gefahr einer Salmonellen-Epidemie. Verdorbenes Futter, Hülsen und vor allem Kot sind unbedingt zu entfernen.

Sollten Krankheiten am Futterhaus auftreten: Häuschen abbauen, Fütterung einstellen. Das alte Futterhaus nicht mehr verwenden, vor allem dann nicht, wenn es verkotet wurde. Futtersilos aus Kunststoff können desinfiziert und heiß abgewaschen werden.

Fazit: Wenn füttern, dann richtig, mit hochwertigem Futter, zum passenden Zeitpunkt und nur an sauberen Futterplätzen!

Tipp: www.lbv-muenchen.de

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