Im Frühling bringen uns oft Hunderte TierfreundInnen Jungvögel ins Münchner Tierheim. Natürlich wissen wir, dass Sie nur helfen wollen – leider ist diese Hilfe manchmal kontraproduktiv und schadet dem Tier mehr als es nützt. Um Ihnen die Unterscheidung leichter zu machen, haben wir folgenden Leitfaden erstellt.
Je nach Entwicklungsstadium bzw. Situation des Vogels empfehlen wir folgende Vorgehensweisen:
1. Nackter, offensichtlich hilfebedürftiger Jungvogel oder Nestling mit keinen oder nur sehr wenig Federn
Sehen Sie sich um, ob Sie ein Nest finden, aus dem der Vogel eventuell herausgefallen sein könnte. Sind Sie sich unsicher oder sehen Sie mehrere Nester oder keines, braucht der Nestling schnellstens Hilfe. Die meisten TierärztInnen nehmen solche Vögel nicht auf, da die Versorgung stündlich stattfinden muss, mit einer kurzen Pause nachts – TierärztInnen können das zu ihrer zusätzlichen Arbeit kaum leisten.
Sie können sich in diesem Fall gerne an das Tierheim wenden. Bitte bringen Sie das Tier in einer trockenen Kiste/Karton (am besten mit Küchenkrepp ausgelegt) schnellstmöglich zu uns in die Riemer Straße 270. Solche Tiere sind sofort zu behandeln, da sie sämtlichen Umwelteinflüssen absolut schutzlos ausgeliefert sind. Versuchen Sie niemals, diese Vögel zu füttern oder ihnen Wasser einzuflößen! Falsche Nahrung (z.B. Insekten bei einem Körnerfresser) kann das Schicksal dieser Tiere schon besiegeln.
2. Schwer verletzter Jungvogel
Sie sehen Blut, eine Verletzung oder der Vogel hat enorme Schwierigkeiten, sich zu bewegen? Dann versuchen Sie bitte schnellstmöglich, das Tier zu einem Tierarzt oder einer Tierärztin zu bringen – der Umweg über das Tierheim ist für den Vogel vielleicht schon das Todesurteil. Wurde die Verletzung behandelt und der Vogel ist stabil, kann er ins Tierheim gebracht werden.
3. Vollständig befiederter Jungvogel
Diese Tiere werden als Ästling bezeichnet. Beobachten Sie die Umgebung des Tieres, bevor Sie eingreifen. Ist der Vogel verletzt, braucht er sofort Hilfe. Sitzt er jedoch einfach ruhig auf dem Boden, halten Sie Ausschau nach den Elterntieren. Jungvögel verlassen das Nest oft in einem gerade noch nicht flugfähigen Zustand. Sie werden weiterhin von den Eltern gefüttert und brauchen Ihre Hilfe nur teilweise. Sprich: Sie sollten den Vogel aus einer eventuellen Gefahrenzone (Straße, stark frequentierter Rad- oder Fußweg) retten und in der Nähe in ein Gebüsch/in einen Baum setzen. Deswegen auch der Name Ästling – hier sitzen die Tiere normalerweise und werden gefüttert, bis sie voll flügge sind.
Beobachten Sie, ob die Elterntiere ihr Junges wiederfinden. Entgegen der landläufigen Meinung haben Vögel keinen guten Geruchssinn, stören sich aber an unserem Geruch auch nicht. Sie werden ihr Junges, auch wenn Sie es angefasst haben, weiterhin versorgen. Verloren gegangene Jungvögel werden bis zu 24 Stunden lang von ihren Eltern gesucht. Starke Hitze ist auch für adulte Vögel anstrengend. Es kann vorkommen, dass die Elten erst am kühleren Abend auftauchen, um das Junge zu versorgen. Deshalb müssen Sie voll befiederte Ästlinge lange beobachten, um sicherzugehen, dass sie wirklich verwaist sind.
4. Befiederter Jungvogel, dessen Eltern nicht mehr auffindbar sind oder der sichtlich geschwächt ist und bei Annäherung nicht mehr fliehen kann
Diese Tiere müssen für ein paar Tage weitergefüttert werden. Machen Sie das nur, wenn Sie genau wissen, welchem Vogel Sie was füttern dürfen. Auch hier führt eine falsche Fütterung zum Tod des Tieres. Sollten Sie unsicher sein, kommen Sie mit dem Vogel umgehend in unser Tierheim – wir werden uns hier dann um alles Weitere kümmern.
5. Sonderfall Mauersegler
Sollten Sie einen Mauersegler auf dem Boden vorfinden, braucht er immer Hilfe. Bei unverletzten adulten Tieren kann man versuchen, "Starthilfe" zu geben, indem man den Vogel auf die Hand setzt und sie hoch über den Kopf hebt. Fliegt er ab, ist alles gut, wenn nicht, ab ins Tierheim. Auf keinen Fall das Tier in die Luft werfen, das kann tödlich enden, wenn es verletzt ist. Jungtiere immer beim Profi abgeben. Mauersegler sollten nur mit Handschuhen angefasst werden, da das natürliche Hautfett des Menschen das empfindliche Gefieder der Vögel schädigt.
Danke für Ihre Unterstützung!
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