Seit dem 1. Januar 2026 ist die letzte Form der Käfighaltung bei Hühnern, die sogenannte „Kleingruppenhaltung“, in Deutschland gesetzlich verboten. Also alles gut bei Legehenne und Masthuhn? Leider nein. Denn auch in den anderen Haltungsformen ist das Tierleid des Geflügels groß.
In Deutschland ist die Haltung von Hühnern in Legebatterien seit 15 Jahren verboten und auch die Kleingruppenhaltung wurde jetzt untersagt. In der Folge reduzierte sich die Käfighaltung kontinuierlich, 2024 war es laut Bundeslandwirtschaftsministerium nur noch ein Anteil von 4,3 Prozent. Viele VerbraucherInnen fanden die Bilder der eingepferchten Hennen schrecklich und wollten mit dieser tierquälerischen Haltung nichts mehr zu tun haben. Abgestimmt wurde auch an der Supermarktkasse und mittlerweile sieht die Aufteilung so aus: 60 Prozent der Legehennen waren 2024 in der Bodenhaltung/Volierenhaltung untergebracht, 19 Prozent lebten in Freilandhaltung und Bio steigerte seinen Anteil auf 12 Prozent.
Laut dem deutschen Tierschutzbund leben rund 50 Millionen Legehennen in Deutschland, der überwiegende Teil in Bodenhaltung mit mehr als 50.000 Tieren. Wir müssen uns also verabschieden von der schönfärberischen Idylle des kleinen Bauernhofs, auf dem glückliche Hühner im Grünen picken. Auch wenn die Lebensmittelindustrie immer noch mit diesen Bildern hausieren geht, haben sie mit der Realität nur wenig gemein.
Die allermeisten Legehennen verbringen ihr ganzes qualvolles Leben drinnen in stinkigen Hallen ohne Tageslicht, zusammengepfercht mit Zigtausenden von Artgenossen ohne jegliche Aussicht auf ein artgerechtes Leben. Auch Freiland- und Biohaltung ist längst ein Geschäft mit vielen Tausenden Tieren in einer Halle, die sich nicht aus dem Weg gehen können, obwohl sie in der Natur nur in kleinen Verbänden leben.
Bezeichnungen wie Freiland oder Volieren klingen heiter. Das verbirgt sich hinter den aktuellen Haltungsformen wirklich:
Bodenhaltung
Die Hennen leben auf einer Ebene in der Halle, im Durchschnitt 9 Tiere pro Quadratmeter, kein Tageslicht, kein Auslauf.
Volierenhaltung
Die Tiere leben in großen Ställen auf mehreren Ebenen mit Sitzstangen, im Durchschnitt 18 Hennen pro Quadratmeter, kein Tageslicht, kein Auslauf.
Freilandhaltung
Die Hühner leben auf einer Ebene in der Halle, im Durchschnitt 9 Tiere pro Quadratmeter plus Auslauf ins Freie (mindestens 4 qm pro Legehenne).
Bio-Haltung
Die Hennen leben auf einer Ebene in der Halle, im Durchschnitt 6 Vögel pro qm plus Auslauf ins Freie von mindestens 4 Quadratmetern je Tier. Die Gruppengröße ist auf 3.000 Vögel begrenzt.
Keine dieser Massentierhaltungen ist für die Hennen artgerecht. Die Tiere möchten scharren, picken, laufen oder ein Staubbad nehmen und nicht mit Tausenden von Artgenossen um einen Platz streiten. Viele Hühner trauen sich gar nicht ins Freie, weil Versteckmöglichkeiten fehlen oder die Türen schlicht nicht jeden Tag geöffnet werden.
Über Umwege kommen selbst die bei uns verbotenen Käfigeier immer noch in die Regale. Denn bei Fertigprodukten wie Nudeln, Keksen oder auch gefärbten Ostereiern besteht keine Pflicht zur Kennzeichnung der Haltungsform. Innerhalb der EU ist der Handel mit Käfigeiern weiter erlaubt. Bei nicht gekennzeichneten Produkten kann man getrost davon ausgehen, dass hier die schlechteste Haltungsform gewählt wird, da sie am billigsten ist.
Insgesamt kauften die privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2024 rund 11,5 Milliarden Eier. Das sind sogar noch 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Umdenken findet also nicht statt.
Produziert werden diese Eier im Akkord von rund 50 Millionen Legehennen, die theoretisch bis zu 15 Jahre alt werden könnten. Mit 20 Wochen legen Junghühner ihr erstes Ei, und so geht es weiter bei 16 Stunden künstlichem Licht täglich, um die Legeleistung zu optimieren. Bei den heutigen Hochleistungsrassen, die bis zu 320 Eier im Jahr legen, ist nach rund eineinhalb Jahren Schluss: Die Tiere sind körperlich am Ende und sobald die Legeleistung sinkt, enden sie als Suppenhuhn.
Um Ihre Brüder, also die männlichen Geschwister der Legehennen, hat man sich in den letzten Jahren viele Gedanken gemacht und hierzulande zum 1. Januar 2022 das vorher übliche Töten der Küken sofort nach dem Schlupf verboten. Jetzt werden sie subventioniert als „Bruderhähne“ aufgezogen, da sie nicht so schnell Fleisch ansetzen wie die extra dafür gezüchteten Masthähnchen. Nach drei bis vier Monaten heißt es für die Brüder ab ins Schlachthaus. Hat man den Tieren mit der Aufzucht tatsächlich einen Gefallen getan? Auch das kurze Leben als Schlachthuhn steckt voller Tierleid.
Wie können wir aus diesem tierquälerischen Kreislauf aussteigen? Am Ende bleibt nur der völlige Verzicht auf Eier. Vegane Alternativen gibt es mittlerweile zuhauf. Wenn Ihnen dieser Schritt zu radikal erscheint, schauen Sie mal eine Dokumentation zum Leben der Legehennen an, auch von öffentlich-rechtlichen Sendern, die nicht unter Radikalitätsverdacht stehen. Man möchte weinen, wenn man diese armen zerrupften Geschöpfe sieht, kaum Federn, gebrochenes Brustbein, überall offene Stellen, Panik im Blick. Das ist doch kein Ei wert!