Zum Inhalt springen

Fast acht Jahre warst du bei uns. Acht Jahre, in denen wir gehofft haben, dass sich doch noch jemand findet, der dich so nimmt, wie du bist. Der deine Eigenheiten versteht, mit deinen Problemen umgehen kann und dir das Zuhause schenkt, das du so sehr verdient hättest. Doch dieser Wunsch blieb unerfüllt. Anfang Oktober mussten wir schweren Herzens Abschied nehmen von unserem Caruso, einem weiteren unserer Langzeitbewohner, der das Münchner Tierheim bis zu seinem letzten Atemzug nicht mehr verlassen durfte.

Caruso wurde am 2. September 2012 geboren. Der stattliche Deutsch-Drahthaar-Rüde war ein Jagdhund durch und durch – mit ausgeprägtem Jagdtrieb, großer Arbeitsfreude und dem Bedürfnis nach Beschäftigung. Schon als junger Hund absolvierte er eine Jagdausbildung, bevor er im Alter von zweieinhalb Jahren von seinem späteren Besitzer übernommen und weiterhin jagdlich geführt wurde – mit Teletakt-Halsband, das Hunde durch elektrische Strafreize gefügig machen soll.

Mit den Jahren wurde sein Besitzer älter, die Jagdeinsätze immer seltener. Carusos Bedürfnisse aber blieben. Die Kombination aus seiner Veranlagung, Ausbildung, den gewaltsamen Erziehungsmethoden und zunehmender Unterforderung dürfte maßgeblich zu seinem problematischen Verhalten beigetragen haben. Caruso entwickelte ein erhebliches Aggressionspotenzial, das schließlich zu einem Beißvorfall führte. Seine Besitzer entschieden sich, ihn abzugeben. So kam er am 31. Januar 2019 im Alter von sechs Jahren zu uns ins Münchner Tierheim.

Was für eine bittere Ironie: Da wird ein Hund über Generationen für eine bestimmte Aufgabe gezüchtet, entsprechend abgerichtet und eingesetzt – und wenn der Mensch ihm diese Aufgabe nicht mehr bieten kann, wird ausgerechnet das Tier zum Problem. Caruso hatte sich seine Anlagen und Erfahrungen nicht ausgesucht. Und doch war er es, der am Ende den höchsten Preis dafür bezahlen musste.

Auch bei uns blieb Caruso ein schwieriger, mitunter gefährlicher Hund. Immer wieder kam es zu Attacken, die einen besonders vorsichtigen Umgang mit ihm erforderten. Seine Verhaltensprobleme begleiteten ihn bis ins hohe Alter und machten eine Vermittlung nahezu unmöglich.

Doch Caruso hatte auch eine ganz andere Seite. Er konnte zutraulich, verspielt und ausgesprochen verschmust sein, wenn er einem Menschen vertraute. Seine PflegerInnen und GassigeherInnen kannten und liebten diese Seite an ihm. Sie begleiteten ihn über viele Jahre mit großer Geduld, Fürsorge und Zuneigung und schenkten ihm trotz aller Schwierigkeiten ein liebevolles Ersatz-Zuhause. Besonders eng war seine Bindung zu seiner Patin Marion, die ihn jahrelang mehrmals wöchentlich besuchte, mit ihm spazieren ging und ihm sehr viel Zuwendung schenkte. Für sie war Caruso nicht der schwierige, gefährliche Jagdhund, sondern ein geliebter Freund, dessen Vertrauen und Zuneigung ihr viel bedeuteten.

Mit den Jahren wurde aus dem einst so kraftvollen, temperamentvollen Rüden ein gebrechlicher Senior. Neben Herz- und Schilddrüsenerkrankungen machte ihm vor allem die fortschreitende Altersschwäche zu schaffen. Zuletzt konnte Caruso kaum mehr stehen. Schließlich mussten wir die schmerzhafte Entscheidung treffen, ihn von seinem Leiden zu erlösen. Marion und seine vertrauten PflegerInnen waren auch auf seinem letzten Weg an seiner Seite, so dass er umgeben von Menschen, die ihn von Herzen liebten, friedlich einschlafen durfte.

Lieber Caruso, wir hätten dir so sehr gewünscht, dass deine Geschichte noch eine andere Wendung nimmt. Dass du deinen Lebensabend nicht hinter Tierheimmauern verbringen musst. Doch es sollte nicht sein.

Dein Schicksal macht uns traurig und nachdenklich. Denn es zeigt einmal mehr, welche Verantwortung wir Menschen tragen, wenn wir Tiere für unsere Zwecke züchten, ausbilden und halten. Eine Verantwortung, die nicht dann endet, wenn sich unsere Lebensumstände ändern oder ein Tier nicht mehr unseren Erwartungen entspricht. Was aus dir geworden ist, war nicht deine Schuld.

Wir hoffen, dass du dort, wo du jetzt bist, endlich wieder kraftvoll und unbeschwert über weite Wiesen und durch dichte Wälder streifen kannst. Ohne Schmerzen, ohne Zäune und ohne Angst.

Unser ganz besonderer Dank gilt dir, liebe Marion, für deine jahrelange Treue, deine unermüdliche Fürsorge und all die Liebe, die du unserem Caruso geschenkt hast. Du hast sein Tierheimleben so viel schöner und reicher gemacht, ihm unzählige glückliche Stunden geschenkt und ihn bis zu seinem letzten Herzschlag begleitet.

Mach's gut, lieber Caruso. Danke für die vielen gemeinsamen Jahre, für dein Vertrauen und die schönen Momente, die wir mit dir erleben durften. Du hinterlässt eine große Lücke in unserer Tierheimfamilie. Deine PflegerInnen, deine GassigeherInnen und ganz besonders deine Marion werden dich niemals vergessen.

Du hast vielleicht nie wieder ein eigenes Zuhause gefunden. Aber du wurdest geliebt. Sehr sogar.

Alle Neuigkeiten
Wird geladen…