Sprachlosigkeit im Münchner Tierheim: Gleich acht erst wenige Wochen alte Kaninchenbabys wurden Ende Juni in einem Pappkarton an einer Tankstelle in der Riemer Straße ausgesetzt – ohne ihre Mutter, ohne Wasser und schutzlos der prallen Sonne ausgeliefert.

Als die Finderin die Jungtiere ins Tierheim brachte, herrschten Temperaturen von rund 33 Grad. Die Kaninchen befanden sich bereits in einem kritischen Zustand. „Eine halbe Stunde später hätten vermutlich mindestens vier von ihnen nicht überlebt", berichtet Tierpflegerin Melina Kink. „So junge Tiere können ihre Körpertemperatur noch nicht ausreichend regulieren. In einem geschlossenen Karton werden sie bei dieser Hitze innerhalb kürzester Zeit zu Tode gequält."

Der Fall zeigt einmal mehr, welche dramatischen Folgen das Aussetzen von Haustieren haben kann – insbesondere während der Sommermonate. Ob Kaninchen, Katzen, Hunde oder andere Heimtiere: Ohne Wasser, Nahrung und Schutz vor der Sonne drohen Hitzschlag, Dehydrierung oder Kreislaufversagen. Viele Tiere sterben bereits innerhalb weniger Stunden einen qualvollen Tod. 

Dabei wäre all das vermeidbar. „Wir verstehen, dass Menschen manchmal in schwierige Lebenssituationen geraten und nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Tier", erklärt Pressesprecherin Kristina Berchtold. „Aber Tiere auszusetzen darf niemals eine Lösung sein. Niemand muss seine Schützlinge heimlich ihrem Schicksal überlassen. Wer sich nicht mehr um sein Tier kümmern kann, sollte sich frühzeitig an ein Tierheim oder eine andere Tierschutzorganisation wenden. Gemeinsam findet sich immer eine Lösung."

Das Aussetzen von Tieren ist nicht nur moralisch verwerflich, sondern nach § 3 Nr. 3 Tierschutzgesetz auch verboten. Dennoch landen jedes Jahr zahlreiche Haustiere in Wäldern, Parks, auf Parkplätzen oder – wie in diesem Fall – an einer Tankstelle. Insbesondere bei hochsommerlichen Temperaturen bedeutet dies für die Tiere oft einen langsamen und qualvollen Tod.

Der Tierschutzverein München appelliert deshalb an alle Bürgerinnen und Bürger, gerade jetzt besonders aufmerksam zu sein. Wer abgestellte Kartons oder Transportboxen entdeckt, sollte nicht einfach daran vorbeigehen, sondern nachsehen und im Zweifel sofort Polizei, Veterinäramt, Tierschutzverein oder Tierheim verständigen. Außerdem bittet der Verein um Hinweise zur Herkunft der acht dunkelbraunen Kaninchenbabys. Wer beobachtet hat, wie die Tiere in der Riemer Straße ausgesetzt wurden oder wem sie bekannt vorkommen, wird gebeten, sich beim Tierheim zu melden.

 

Ein kleines Wunder zum Schluss

Für die acht Kaninchenbabys gibt es inzwischen bei uns Anlass zur Hoffnung: In der Kleintierabteilung wurden sie Kaninchendame Belle anvertraut, die erst vor Kurzem selbst Nachwuchs bekommen hat. Die fürsorgliche Mama hat die acht fremden Jungtiere ohne Zögern angenommen und versorgt nun gemeinsam mit ihren drei eigenen insgesamt elf Babys.

Auch Kaninchenbock Peter kümmert sich rührend um den unerwarteten Familienzuwachs, obwohl selbst Belles drei eigene Junge gar nicht seine leiblichen Nachkommen sind. Umso mehr dürfte ihn freuen, dass nun wenigstens acht seiner elf Stiefkinder tatsächlich seinen Farbschlag tragen.

Während ein Mensch die kleinen Kaninchen bei sengender Hitze einfach ihrem Schicksal überließ, zeigt ausgerechnet eine fremde Kaninchenfamilie, was Fürsorge bedeutet. Nun drücken die Tierpflegerinnen und Tierpfleger die Daumen, dass alle elf Jungtiere gesund aufwachsen und später ein liebevolles Zuhause finden.

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