Welche Katze ist besser dran?

Lautlos durch Wald und Flur gleiten, dem letzten Feldhamster auf der Spur, Revierpatrouille mit höchster Sorgfalt und Leidenschaft, zwei Straßen weiter ein kurzes Rendezvous mit der rolligen Nachbarskatze, dann schnell noch dem Hund von nebenan zeigen, wo der Hammer hängt, bevor es nach Hause zum gut gefüllten Futternapf und zur Siesta auf die Couch geht. Zweifellos ein abwechslungsreiches, spannendes und erfüllendes Leben für viele Katzen. Fast 16 Millionen Miezen leben (Stand 2024) in Deutschland. Wie viele davon in der Wohnung gehalten werden und wie viele Freigang haben, dazu gibt es keine genauen Zahlen. Schätzungen zufolge sind es wohl mindestens 50 bis 60 Prozent, die draußen herumstromern dürfen, mit starken regionalen Unterschieden. Laut Landesamt für Umwelt und Gesundheit leben in Bayern rund 2,6 Millionen Katzen, davon mindestens 1,5 Millionen als Freigänger. Doch dieses Leben birgt auch Risiken: Viele Katzen werden überfahren, verirren sich oder werden in ländlichen Gebieten von JägerInnen getötet. Und die große Zahl an Hauskatzen wird auch für andere Tiere zum Risiko: Die rund neun Millionen freilaufenden Katzen im Bundesgebiet töten laut einer groben Schätzung des NABU jedes Jahr ca. 200 Millionen Vögel. Dieser Umstand ist besonders dramatisch, da ein Großteil unserer heimischen Gartenvögel durch Lebensraumverlust, Insektensterben und intensive Landwirtschaft bereits so stark im Bestand geschrumpft ist, dass er unmittelbar oder in Vorstufe vom Aussterben bedroht ist.

Die Wildtierabteilung im Münchner Tierheim verzeichnet schwere Verluste in der Fauna: Mindestens 20 Prozent der Vögel, die von aufmerksamen BürgerInnen bei uns abgegeben werden, wurden nach Auskunft der FinderInnen von Katzen erbeutet. Weitere 20 Prozent tragen Verletzungen, die auf Katzen schließen lassen. Und nicht nur Vögel stehen auf der Beuteliste der Samtpfoten, auch sämtliche Amphibien und Kleinsäuger wie etwa der stark gefährdete Feldhamster.

Selbstverständlich dürfen Katzen nicht zum Sündenbock für das Artensterben gemacht werden. Noch stärker schlägt zweifellos der menschengemachte Klimawandel, die Vernichtung von Lebensraum durch endlose Bebauung und die durch Insektensterben grassierende Hungersnot bei Vögeln zu Buche. Dennoch ist das Ausmaß der Schäden an der Vogelwelt durch Freigängerkatzen so groß, dass wir darüber sprechen und sinnvolle Schlüsse ziehen sollten.

Die kleinen Raubtiere sind unbeaufsichtigt im Freien nicht nur eine Gefahr für andere Tiere, sondern auch ihrerseits großen Risiken und Stresssituationen ausgesetzt. Viele Katzen erleiden schwere Verletzungen durch Kämpfe mit anderen Tieren oder Stürzen auf waghalsigen Klettertouren im Revier, stecken sich mit Krankheiten an oder fallen dem Straßenverkehr zum Opfer. Von der ungewollten Vermehrung draußen wegen fehlender Kastrationen ganz zu schweigen. Nicht zu vernachlässigen ist auch die Gefahr, dass eine Freigängerkatze, aus welchen Gründen auch immer, die Orientierung verliert und nicht mehr nach Hause findet oder, noch wahrscheinlicher, versehentlich eingeschlossen wird. Abschließend der Albtraum aller Katzenherrchen und –frauchen: der unerträgliche Gedanke, dass der eigene Liebling in die Hände von TierquälerInnen geraten könnte.

TierfreundInnen mit Samtpfote im Haushalt sollten sich daher fragen: Braucht meine Katze wirklich Freigang, ist er vertretbar oder kommt eventuell auch eine reine Wohnungshaltung in Frage?

Wir haben die Vor- und Nachteile beider Haltungsformen sowie nötige Grundvoraussetzungen für Sie zusammengetragen und gegenübergestellt:

 

Vorteile Freigang

• die Katze hat einen sehr abwechslungsreichen Alltag

• sie kann ihren Jagdtrieb ausleben

• der Tagesablauf wird von ihr selbst bestimmt und sie kann nach Lust und Laune Streifzüge unternehmen

• körperlich und geistig ausgelasteter

 

Nachteile Freigang

• Verletzungs- und Krankheitsrisiko

• Tod im Straßenverkehr / durch Jagd

• mehr medizinische Versorgung durch höhere Risiken draußen und Vorsorge nötig (Impfung, Kastration)

• Die Katze kann verloren gehen

• Stress durch Revierkämpfe

• Gefahr für die heimische Tierwelt

 

Vorteile Wohnungshaltung

• hohe Sicherheit

• kaum Risiko für Infektionskrankheiten

• weniger Stress, da das Revier nicht von fremden Katzen betreten wird

• Möglichkeit für feste Futterzeiten und Medikamentengabe

 

Nachteile Wohnungshaltung

• höherer Aufwand bei Beschäftigung

• Abwechslungsreiche Einrichtung notwendig

• größere Gefahr, dass die Tiere durch Langeweile Depressionen oder Übergewicht bekommen

• größere Gefahr für Verhaltensstörungen wie Unsauberkeit oder Aggression

 

Checkliste zur Haltung mit Freigang (nicht jede Katze und jede Umgebung sind geeignet)

• Ist die Katze charakterlich gefestigt, neugierig und nicht zu scheu, um mit den Umwelteindrücken beim Freigang umgehen zu können?

• Sind keine gesundheitlichen Beschwerden/Erkrankungen, zwingend notwendig zu gebende Medikamente oder eine Futtermittelallergie vorhanden?

• Ist die Wohnlage sicher oder sind viel befahrene Straßen, Autobahnen oder Bahnschienen in der Nähe? Bitte bedenken Sie hierbei, dass Katzen oft mehrere hundert Meter weit laufen!

• Ist Ihr Tier bereits kastriert? Eine Kastration ist immer vor dem Freigang erforderlich, um eine ungewollte Fortpflanzung zu verhindern.

• Haben Sie Ihr Haustier chippen lassen und die Chipnummer bei einer Datenbank registriert? Nur so kann Ihr vermisstes Tier schnell wieder zu Ihnen zurückgebracht werden.

• Ist die Katze ausreichend geimpft (mindestens Grundimmunisierung und evtl. Tollwutimpfung bei Reisen) und wird sie regelmäßig entwurmt sowie gegen Flöhe geschützt?

• Wird der Katze freier Zugang zur Wohnung bzw. nach draußen gewährt? Lässt sich eine Katzenklappe installieren?

 

WICHTIG:

Als HaustierhalterInnen sind wir für das Wohl unserer Schützlinge verantwortlich und verpflichtet, dieses zu gewährleisten. Eine RCP-Impfung (gegen Katzenschnupfen, Katzenseuche und Herpes) ist für alle Katzen erforderlich, ob Freigang oder nicht.

 

Artgerechte Wohnungshaltung für glückliche Katzen

• Richtwert Platz: mindestens 30 bis 50 Quadratmeter für eine (je nach Alter und Gesundheitszustand), mindestens 50 bis 60 Quadratmeter für zwei Katzen

• Spielmöglichkeiten: Zugang zu Kratzbäumen und Spielzeug, idealerweise sogenannte „Catwalks“ (Montage von Klettermöglichkeiten an den Wänden)

• Genügend Katzentoiletten, mindestens eine pro Katze, mehr sind besser

• Gesellschaft und Beschäftigung: Katzen sind soziale Tiere und brauchen Ansprache. Es ist wichtig, dass Sie regelmäßig Zeit mit Ihrer Katze verbringen, auch wenn Sie mehrere Tiere halten

• Eine gut sozialisierte Katze braucht Katzengesellschaft: Vor allem Kitten daher mindestens zu zweit halten (Ausnahme: individuelle Unverträglichkeit und gesundheitliche Gründe)

• Rückzugsmöglichkeiten und Ruhezonen im Wohnraum ermöglichen

• Sicherheit: Potenzielle Verletzungen vermeiden durch geeignete Sicherungen an Fenstern, Türen und Balkon

• Auch Wohnungskatzen müssen geimpft (Grundimmunisierung) und sollten auch kastriert werden, um Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten zu vermeiden

• Auch Stubentiger unbedingt chippen lassen und registrieren, um sie zuordnen zu können, falls sie doch mal aus der Wohnung entwischen.

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