Seminar im Tierheim:
Auch Menschen, die schon ihr ganzes Leben mit Katzen verbringen, lernen immer wieder Neues dazu und sind überrascht davon, wie unterschiedlich die einzelnen Tiere sein können. „Alles ist immer sehr individuell“ war demzufolge auch der meistgehörte Satz in Helen Ziemers Katzenseminar, das am 15. November zum zweiten Mal im Münchner Tierheim stattfand. Geduldig beantwortete die ausgebildete Tierärztin, die zudem im Außendienst für den TSV tätig ist, alle Fragen rund um die geheimnisvollen Samtpfoten und konnte viele Missverständnisse aufklären. Ein besonderes Augenmerk legte Helen dabei immer wieder auf die Katzen aus dem Tierschutz, da es ihr ein großes Anliegen ist, dass diese Secondhand-Miezen eine Chance auf ein liebevolles Zuhause bekommen.
Doch wie bereitet man sich am besten auf einen potenziellen neuen Mitbewohner vor? Als erstes sollte man sich auf Herz und Nieren prüfen, ob man wirklich bereit für eine Katze ist. Denn neben all der Freude, die einem die Samtpfoten im Alltag bereiten, bedeutet ein Haustier auch immer eine große Verantwortung: Hat man genug Zeit für das Tier? Wer kümmert sich, wenn man wegen Krankheit oder Urlaub ausfällt? Hat man die finanziellen Mittel, um den Vierbeiner zu versorgen und eventuell auch hohe Tierarztkosten zu stemmen? Katzen werden im Schnitt 15 bis 20 Jahre alt und gerade die letzten Lebensjahre können, etwa wenn die Tiere chronisch krank werden, sehr kostspielig werden.
Für viele überraschend ist auch die Tatsache, dass Katzen keineswegs eingefleischte Einzelgänger sind. Vor allem im Kittenalter ist die Gesellschaft anderer Katzenkinder unabdingbar für die richtige Sozialisation. Die zweite bis siebte Lebenswoche prägt das ganze Katzenleben und nur im Kontakt mit Artgenossen lernen die Tiere das richtige Verhalten. Ohne Spielkameraden werden die Kitten asozial und teilweise hyperaktiv und haben ihr ganzes Leben unter der fehlenden Sozialisation zu leiden. Im Tierheim sitzen genügend Katzen, die aufgrund von aggressivem und unberechenbarem Verhalten praktisch unvermittelbar sind. Bei erwachsenen Tieren gibt es zwar immer wieder Exemplare, die auch solo gut zurechtkommen, aber dann trägt der Mensch als einziger Sozialpartner eine besondere Verantwortung für das Wohlergehen seines Schützlings und sollte es z.B. nicht lange alleine lassen.
Welche und wie viele Katzen man aufnehmen will, hängt natürlich von den persönlichen Voraussetzungen ab. Wie groß ist die Wohnung, wie viel Zeit kann man den Tieren widmen? Rassekatzen haben oft besondere Bedürfnisse, vor allem wenn es sich um Qualzuchten handelt. Nacktkatzen etwa sind anfällig für Hautinfektionen, Perser haben wegen ihrer Kurzköpfigkeit Atemprobleme, Scottish Fold leiden unter Gelenkproblemen. Schon um diese unsinnigen Trends nicht zu unterstützen, verbietet sich ein Kauf beim Züchter, der abgesehen davon auch finanzielle Interessen hat und einseitig berät. Es gibt genug Katzen aus dem Tierschutz, die dringend ein Zuhause suchen und zudem von einer ehrlichen Beratung durch die PflegerInnen profitieren, die zu ihren Tieren objektiv Auskunft geben können. Darunter sind auch viele Rassekatzen, die wegen Überforderung bei uns abgegeben wurden. Wenn Sie doch beim Züchter kaufen möchten, ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Kitten mindestens 12, besser noch 16 Wochen lang bei ihrer Mama bleiben dürfen, bevor sie verkauft werden.
Hat man den neuen Wohnpartner mit nach Hause genommen, stellen sich viele weitere Fragen: wie sollte die Eingewöhnung ablaufen, wie kann man die Wohnung katzengerecht einrichten, welche Vor- und Nachteile bietet der Freigang? Auch die Wahl des richtigen Futters und Spielzeugs sind wichtige Themen, die dazu beitragen, dass sich die Katze wohlfühlt. Wasser und Futter sollten getrennt angeboten werden und bei mehreren Tieren auch jeweils ein eigener Napf zur Verfügung stehen. Hier sollte man anfangs verschiedene Sachen anbieten, denn was die eine Katze liebt, verabscheut die nächste. Sehr interessant waren auch Helens Ausführungen zum Thema Laute und Körpersprache der Tiere, die nicht nur für AnfängerInnen viel Wichtiges beinhalteten.
Beim Futtermanagement muss man darauf achten, dass man nicht überdosiert - viele Tiere sind übergewichtig, was massive Nachteile mit sich bringen kann. Zudem gibt es einige Pflanzen wie Efeu oder Gummibaum und Nahrungsmittel, die für Katzen toxisch sind. Bei einer Vergiftung muss unverzüglich der Tierarzt aufgesucht werden. Für kleinere Notfälle sollte man eine entsprechende Hausapotheke parat haben und sich auch Gedanken über eine Tierkrankenversicherung machen. Über all diesen Themen vergingen die drei Stunden des Seminars wie im Flug und die TeilnehmerInnen sind jetzt gut gerüstet für das Abenteuer „meine erste Katze“.
Das nächste Seminar findet am 28. Februar 2026 im Tierheim statt. Anmeldungen bitte bei Galina Chayka an g.chayka@tierschutzverein-muenchen.de oder telefonisch unter 089 921 000-780.