Nicht schnell, sondern passend: So vermitteln wir für unsere Tiere

Statement des Tierheims München zur aktuellen Berichterstattung über Tiervermittlungen

Die jüngst erschienene Berichterstattung über angeblich „unmögliche“ Tieradoptionen hat eine breite öffentliche Diskussion ausgelöst. Viele der geäußerten Vorwürfe betreffen auch uns als eines der größten Tierheime Deutschlands. Umso bedauerlicher finden wir, dass wir im Vorfeld nicht um eine Stellungnahme gebeten wurden. Gerade bei einem sensiblen Thema wie dem Tierschutz halten wir eine ausgewogene Darstellung für unerlässlich.

Es entsteht derzeit der Eindruck, Tierheime würden durch überzogene oder starre Kriterien verhindern, dass Tiere vermittelt werden. Diese Darstellung entspricht nicht unserer täglichen Praxis.

Im Tierheim München gibt es keine pauschalen Ausschlusskriterien. Weder Alter noch Berufstätigkeit oder Wohnform führen automatisch zu einer Absage. Maßgeblich ist stets die individuelle Passung zwischen Tier und Mensch. Jede Vermittlungsentscheidung wird von den zuständigen Tierpflegerinnen und Tierpflegern, gegebenenfalls in Absprache mit der Tierheimleitung, getroffen – also von den Personen, die das jeweilige Tier täglich betreuen, sein Verhalten beobachten und seine Bedürfnisse fachlich einschätzen können. Sie kennen Temperament, Belastbarkeit, mögliche Problematiken und Entwicklungspotenziale des Tieres. Auf dieser Grundlage erfolgt eine sorgfältige Abwägung.

Selbstverständlich fließen dabei neben fachlicher Expertise auch Menschenkenntnis und die persönliche Erfahrung der einzelnen Pflegerinnen und Pfleger ein. Dies ist durchaus gewollt und ließe sich auch nicht vermeiden. Tierschutzarbeit bedeutet, komplexe Situationen realistisch einzuschätzen. Ziel ist es, dauerhafte und stabile Mensch-Tier-Beziehungen zu ermöglichen und weitere Brüche im Lebenslauf eines Tieres zu vermeiden. Viele der Tiere bei uns haben bereits mindestens einmal ihr Zuhause verloren. Umso wichtiger ist es, durch eine sorgfältige Abklärung sicherzustellen, dass sie nicht erneut ins Tierheim zurückkehren müssen. Eine Adoption ist eine Entscheidung für viele Jahre – verbunden mit Verantwortung, Zeit, finanziellen Verpflichtungen und persönlichem Engagement. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, hierfür zu sensibilisieren und sicherzustellen, dass diese Tragweite allen Beteiligten bewusst ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt wird in der öffentlichen Debatte häufig übersehen: Die Mehrheit unserer Hunde ist groß, kräftig und im jungen bis mittleren Alter. Viele von ihnen kommen nicht aufgrund veränderter Lebensumstände ins Tierheim, sondern infolge erheblicher Überforderung ihrer früheren Halterinnen und Halter – teilweise verbunden mit Beißvorfällen oder ausgeprägtem problematischem Verhalten. Mehr als 50 Prozent unserer Tiere gelten als sogenannte „Sorgentiere“, die besondere Erfahrung, Zeit, Training und ein stabiles Umfeld benötigen. Eine unpassende Vermittlung würde ihre Situation nachhaltig verschlechtern.

Dass verantwortungsvolle Vermittlungsarbeit erfolgreich ist, zeigen auch unsere Zahlen: Im Jahr 2025 konnten wir über 1.100 Tiere in ein neues Zuhause vermitteln – mit steigender Tendenz. Die Zahl der Rückläufer ist dabei erfreulich gering. Diese Entwicklung bestätigt unseren Ansatz, nicht möglichst schnell, sondern möglichst passend zu vermitteln.

Wir verstehen, dass eine Absage enttäuschend sein kann. Gleichzeitig erleben wir in Beratungs-gesprächen immer wieder, dass Interessentinnen und Interessenten mit sehr konkreten Vorstellungen kommen, jedoch nur begrenzt bereit sind, diese zugunsten eines tatsächlich passenden Tieres zu hinterfragen. Unsere Aufgabe ist es jedoch in erster Linie, verantwortungsvoll zu prüfen, was dem jeweiligen Tier langfristig gerecht wird.

In aller Deutlichkeit möchten wir zudem mit einem wiederkehrenden Gerücht aufräumen: Das Tierheim München trägt die Kosten für den Aufenthalt von Abgabetieren zum allergrößten Teil selbst. Zwar unterstützt die Stadt mit einer jährlichen Pauschale, diese deckt allerdings nur einen geringen Teil der anfallenden Kosten. Entgegen einer häufig geäußerten Behauptung erhalten wir für Abgabetiere kein Geld pro Tier und Versorgungstag im Tierheim. Jeder längere Aufenthalt wird durch eigene Mittel und Spenden finanziert. Unser Interesse liegt daher eindeutig in einer zeitnahen und passenden Vermittlung.

Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, Tiere nachhaltig in geeignete Hände zu vermitteln – nicht möglichst schnell, sondern möglichst passend. Dafür tragen wir Verantwortung. Wir stehen jederzeit für den offenen Austausch zur Verfügung und wünschen uns eine differenzierte Diskussion, die der Komplexität der Tierschutzarbeit gerecht wird.

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