Tierschutzverein München e.V. zu Söders „Pandapanne“: Wir brauchen echte Hilfe für Tier- und Artenschutz statt teurer Prestigeprojekte!
Während der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und VertreterInnen des Tierparks Hellabrunn planen, ab 2028 zwei Riesenpandas nach München zu holen, präsentiert der Tierschutzverein München e. V. seinen eigenen, von der Öffentlichkeit vergessenen „Pandabären“ – und der braucht dringend Hilfe.
Carlos, ein schwarz-weißer American Staffordshire Terrier, gehört zu den am schwersten zu vermittelnden Hunden im Tierheim. Sein Fell erinnert optisch ein wenig an einen Panda, sein Pflegeaufwand ist hoch (wenn auch bei weitem nicht so hoch wie der für die chinesischen Bären): tägliche Betreuung, medizinische Versorgung, Futter, Training und Geduld binden erhebliche Zeit und Ressourcen.
Carlos wartet bereits fünf Jahre auf seine Menschen. Er ist äußerst schwer vermittelbar, zum einen wegen seiner komplexen Charaktereigenschaften, die nur sehr erfahrene HalterInnen bewältigen können, zum anderen aufgrund der veralteten Listenhundeverordnung in Bayern, die seine Vermittlung stark einschränkt. Einige Listenhunde dürfen im Freistaat nur unter hohen Auflagen gehalten werden, andere – zu denen Carlos gehört – gar nicht. Für ihn muss das Tierheim daher InteressentInnen sogar außerhalb Bayerns finden.
Im Tierheim München und auf dem vereinseigenen Gnadenhof in Kirchasch werden derzeit 20 solcher Listenhunde betreut – sie machen fast ein Viertel aller Vermittlungshunde aus. Viele sitzen jahrelang im Tierheim, bis ein passender Platz gefunden wird. Doch nicht nur Listenhunde blockieren über Monate oder Jahre Zwingerplätze; auch andere schwer vermittelbare Hunde binden wertvolle Kapazitäten, die eigentlich für Notfälle benötigt würden.
Einsatz für echte Tierhilfe statt fragwürdige Prestigeprojekte
„Wir lieben alle Tiere, natürlich auch Pandas – aber Millionen für die Zur-Schau-Stellung zweier armer Geschöpfe, während hunderttausende Euro jährlich für die Pflege unserer schwer vermittelbaren Hunde fehlen, sind aus unserer Sicht völlig fehlgeleitet“, sagt Claus Reichinger, der stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins. „Statt Gehegebau, Leihgebühren und Unterhaltskosten für zwei Pandas könnten die gleichen Mittel dafür sorgen, dass Carlos und all die anderen Dauersitzer in bayerischen Tierheimen vernünftig und sicher versorgt werden können.“
Hintergrund:
Für die Panda-Leihgabe nach Hellabrunn sind laut Medienberichten Baukosten von ca. 18 Mio. € sowie jährliche Gebühren von geschätzt 0,5–1 Mio. € vorgesehen.
Bayerische Tierheime (wie auch in anderen Bundesländern) sind chronisch unterfinanziert; viele Einrichtungen arbeiten am Limit.
Dauersitzer-Hunde wie Carlos brauchen besonders intensive Betreuung und verursachen hohe Kosten, finden aber sehr schwer und erst sehr spät ein Zuhause.
Statt Prestigeprojekte zu finanzieren, könnten diese Mittel direkt in die Pflege schwer vermittelbarer Tiere fließen – in jedem Tierheim in Bayern.
Exotische Tiere in fremden Klimazonen in kleine Gehege zu sperren, um Besucherzahlen zu steigern, hat wenig mit echtem Artenschutz zu tun. Würde man den Artbestand der Pandas wirklich schützen wollen, wäre die Förderung der Population in ihrem natürlichen Habitat in China eindeutig sinnvoller.
Kristina Berchtold, Pressesprecherin des Tierschutzvereins, fügt hinzu: „Echte Tierliebe zeigt sich nicht bei PR-Tieren. Sie beginnt bei denen, die jeden Tag hier auf Hilfe angewiesen sind und leider keine lukrative Fanbase haben. Carlos ist unser Panda – und er und seine langzeitbewohnenden Tierheim-Freunde haben die Förderung viel mehr verdient.“
Carlos ist das Gesicht all der missverstandenen Hunde mit Ecken und Kanten, die in bayerischen Tierheimen auf ihre Chance warten. Mit der richtigen Unterstützung könnten sie ein sicheres, gutes Leben führen – und das für einen Bruchteil der Millionen, die für Prestigeprojekte ausgegeben werden.
Patenschaften: Hilfe, die ankommt
Wer statt der Riesenpandas lieber heimischen Tieren in Not wie Carlos helfen möchte, kann dies mit einer Patenschaft beim Tierschutzverein tun. Jeder monatliche Beitrag sichert Futter, medizinische Versorgung, Training und erleichtert den Alltag der Dauersitzer im Tierheim. Jede Patenschaft schenkt Hunden wie Carlos Hoffnung und die Chance auf ein sicheres, gutes Leben, bis sie ihr endgültiges Zuhause finden.
Sollte für die Politik der Wille zur Investition für große, schwierige Hunde nicht ausreichen, weil sie nicht dieselbe Sympathie wie exotische Pandas erwecken, schlägt der Tierschutzverein München e. V. noch eine Alternative zur „Pandapanne“ vor:
Wenn es ihm wirklich um den Schutz von Wildtieren geht, könnte Herr Söder statt in diese Profilierungsmaßnahme der Panda-Leihgabe in regionale Artenschutzprojekte investieren – oder in Auffangstationen für heimische Wildtiere wie die Wildtierstation des Münchner Tierheims, die jedes Jahr ohne öffentliche Gelder rund 4.000 bayerische Wildtiere rettet.