Der einzige in Europa vorkommende Eisvogel ist mit nur 40 Gramm ein relativ kleiner Vertreter aus der Familie der Eisvögel, welche weltweit 118 Arten aufweist. Ihre Merkmale sind ein kurzer, gedrungener Körper, kurze Beine, ein kurzer Schwanz, ein relativ langer Schnabel und breite Flügel. All das ist die perfekte Ausstattung für ihre Hauptnahrung: Fische.
Eisvögel jagen hauptsächlich mithilfe ihres berühmten Stoßtauchen. Dabei sitzen sie auf einer erhöhten Ansitzwarte, wie etwa einem über das Wasser reichenden Ast, bis sie Beute erspäht haben. Damit sie durch die reflektierende Wasseroberfläche überhaupt einen Fisch sehen können, filtern ihre speziellen Augen das polarisierende Licht heraus.
Wurde ein Fisch gesichtet, stürzen sie sich kopfüber ins Wasser und beschleunigen ihren Sturzflug mit Flügelschlägen. Kurz vor dem Eintritt in die Wasseroberfläche wird der Körper gestreckt und die Flügel eng zurückgelegt. Unter Wasser breiten sich die Flügel bremsend wieder aus, bevor sie die Beute mit dem Schnabel fangen. Anschließend tauchen sie sehr zügig wieder auf. Eisvögel schlucken ihre Beute am Stück. Größere Fische werden mit dem Kopf voraus geschluckt, damit die Schuppen nicht blockieren. Sie fressen aber auch Insekten und Kaulquappen.
Den Winter über bleibt unser Eisvogel in Deutschland. Seinen Namen hat er womöglich erhalten, weil man ihn bei Schnee und Eis besonders gut sehen kann. Andere glauben, der Name war ursprünglich „Eisenvogel“: das stahlblaue Rückengefieder hätte an Eisen erinnert und das Orange an Rost. In vielen Dialekten hat er unterschiedliche Namen wie „Eisenkeil, Wasserspecht, Wasserhähnlein oder Königsfischer“.
Ab Februar beginnt er die Gewässer laut rufend abzufliegen auf der Suche nach einem Partner. Hat das monogame Tier sein Match gefunden, finden wilde Verfolgungsflüge knapp über dem Wasserspiegel, bis in den Wald und hoch in die Baumkronen statt. Anschließend schenkt das Männchen dem Weibchen mit Verbeugungen Fische und sie rufen gemeinsam auf Ästen sitzend.
Zur Brut benötigen sie steile Uferböschungen, in die waagrechte Höhlengänge gegraben werden können. Das Männchen schlägt eine Stelle vor indem es, meist im oberen Hangbereich, mittels Rüttelflug davor in der Luft steht und anschließend anfängt zu graben. Ist seine Partnerin einverstanden, beteiligt sie sich nach einer Weile an den Grabarbeiten. Kommt ein Hindernis wie etwa eine Wurzel, brechen sie ab oder graben eine Kurve. Wenn die Höhle fertig ist, wird sie mit weißen Kotspritzern markiert.
Auch das Bebrüten der Eier und die Ernährung der Jungtiere wird abwechselnd ausgeführt. Die Jungtiere rotieren am Nestplatz. Hat eines Futter erhalten, wechselt es einen Platz weiter, so dass alle Jungtiere gleichmäßig Nahrung bekommen. In besonders guten Jahren sind bis zu vier Bruten möglich, die bis in den Oktober reichen können, plus sogenannte Schachtelbruten. Dabei beginnt das Weibchen schon wieder zu brüten, während das Männchen die vorherigen Jungvögel noch versorgt.
Gerade zur Brutzeit sind die Vögel sehr territorial und vertreiben andere Eisvögel. Dennoch konnte beobachtet werden, dass gerade diesjährige Jungvögel nicht nur geduldet werden, selbst wenn sie von anderen Eltern stammen, sondern sogar beim Fischfang und der Fütterung der Brut mithelfen. Dieses Verhalten konnte auch bei anderen Vogelarten beobachtet werden. Man vermutet, dass die noch nicht geschlechtsreifen Jungtiere so für ihr Elterndasein üben.
Der Eisvogel ist in Bayern auf der roten Liste als gefährdet eingestuft. Sowohl die starke Jagd von Binnenfischern im 19. Jahrhundert, wo tausende Vögel ihr Leben lassen mussten, um als Angelattrappe oder Federschmuck an Damenhüten zu enden, als auch Veränderungen des Lebensraums hat ihren Bestand stark dezimiert. Verschmutzungen von Gewässern, Abschrägung und Befestigung von Böschungen, Regulierungen von Fluss- und Bachläufen, Trockenlegung von Feuchtgebieten und Zuschüttung von Tümpeln fanden in vielen europäischen Ländern statt und raubten vielen Tierarten wertvollen Lebensraum.
Dank künstlicher Nisthilfen an Gewässern, Renaturierungsmaßnahmen und besserer Reinhaltung des Wassers erholt sich der Bestand langsam wieder. Um dem Eisvogel und damit vielen anderen Arten nachhaltig zu helfen, sind jedoch noch viel mehr Renaturierungsarbeiten notwendig, um den Schaden so gut wie möglich rückgängig zu machen, den der Mensch in der Natur angerichtet hat.