Doch genau diese Mystik wurde dem Steinbock zum Verhängnis. Nicht nur Trophäen von ihm waren sehr beliebt, seine Hörner, sein Blut, sein Fell, ja sogar seine Extremitäten sollten angeblich gegen verschiedene Krankheiten helfen. Das führte dazu, dass die Tiere schon im 17. Jahrhundert in vielen Regionen ausgerottet wurden. Anfang des 19. Jahrhunderts war er im Alpenraum bis auf etwa 100 Exemplare auf dem Berg Gran Paradiso in Italien verschwunden.
Dort wurde er zum Glück 1821 unter Schutz gestellt und der italienische König Viktor Emanuel II wies das Gebiet als königliches Jagdrevier aus und ließ es von zahlreichen Wildhütern bewachen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wuchs der Bestand wieder auf rund 3.000 Steinböcke an.
Doch teilen wollte der König nicht. Auch die Schweiz beschloss, in ihren Alpen wieder Steinböcke anzusiedeln, erhielt jedoch keine Tiere zur Zucht. Deshalb beauftragten sie 1906 einen Wilderer, heimlich drei Kitze zu stehlen. Die Tiere wurden aufgezogen, vermehrt und schließlich wieder ausgewildert. Somit stammen alle heute in den Alpen lebenden Steinböcke von den einst 100 Exemplaren aus Gran Paradiso ab.
Die Hörner der Böcke werden bis zu einen Meter lang, ein stattlicher Ziegenbart gilt ebenso als Kennzeichen. Die Geißen haben deutlich kürzere Hörner und wiegen nur halb so viel wie die Böcke. Während sich die Damen das ganze Jahr in festen Herden mit bis zu zwanzig Tieren aufhalten, bilden die jüngeren Männchen Junggesellengruppen, während ältere Männchen häufig alleine herumstreifen. Im Dezember und Januar suchen sie dann eine Weibchenherde mit der Absicht, sie für sich zu beanspruchen. Um die teils harten Kämpfe zu überstehen, muss der Bock mindestens sechs Jahre alt sein. Die eroberten Weibchen beschützt und begleitet er noch bis zum Frühling, dann geht der stattliche Kerl wieder seine eigenen Wege.
Das Besondere an Steinböcken ist, dass sie hervorragende Kletterer sind. So sieht man sie häufig senkrechte Wände wie etwa Staudämme, aber auch Eisflächen entlangspringen. Wegen des dichten Fells halten sich die imposanten Tiere hauptsächlich in sehr hohen Bergregionen und bevorzugt in schneebedeckten Bereichen auf.
Wegen ihrer Lebensweise machen sich Biologen Sorgen, dass den Steinböcken der Klimawandel zum Verhängnis werden könnte. Ihre geringe genetische Vielfalt reduziert ihre Chancen, sich rasch anzupassen. Deshalb haben sie möglicherweise kaum Gelegenheit, mit dem raschen Abschmelzen der Gletscher, der Verschiebung der Vegetationsgrenze und den zunehmenden Wetterextremen zurechtzukommen.
Umso wichtiger ist es, dass wir Menschen mit Hochdruck daran arbeiten, den Schaden, den wir auf der Erde anrichten, zu reduzieren bzw. wieder rückgängig zu machen.