Sie sehen gefährlich aus, sind aber in Wahrheit total harmlos. Schwebfliegen tragen ein schwarz-gelb gestreiftes Tarnkleid, um sich selbst zu schützen. Denn wer den Eindruck erweckt, er könne stechen, wird womöglich nicht gefressen. Doch zustechen können diese harmlosen Flugkünstler weder mit einem Stachel noch mit ihrem Rüssel. Ausgestattet mit kleinen Saugstempeln mampfen sie nur friedlich Pollen oder Nektar. Das Einzige, was gefährlich werden kann, sind ihre Larven, allerdings nur für Blattläuse. Die stehen bei vielen auf der Delikatessenliste, was die Schwebfliege zu einem absoluten Nützling für alle GartenbesitzerInnen macht. Die kleinen durchsichtigen Larven, bei denen man sogar die Organe betrachten kann, sind dabei unerwartet gute Jäger.
Mimikry ist in der Tier- und Pflanzenwelt sehr verbreitet und umfasst prinzipiell die Nachahmung von Optik, Geräusch oder Geruch einer anderen Art. Das kann entweder dem Schutz dienen, wie bei der Schwebfliege. Oder es handelt sich um Lockmimikry, durch die entweder Beute oder Bestäuber angelockt werden können. So ahmen einige Orchideen den Geruch und die Optik weiblicher Bienen nach, damit männliche Bienen versuchen, sie zu begatten und dabei von der Blume bestäubt werden können.
Die häufigste Schwebfliegenart bei uns ist die Winter- bzw. Hainschwebfliege. Für die Überwinterung überqueren diese kleinen Insekten sogar die Alpen, manche bleiben aber auch über in der kalten Jahreszeit bei uns und sind dann schon im frühen Frühjahr sichtbar. Auch im Larvenstadium überwintern Schwebfliegen häufig und verstecken sich z. B. in getrockneten Samenhüllen oder Hülsenfrüchten. Umso wichtiger ist es, den Garten nicht schon im Herbst, sondern erst spät im Frühjahr aufzuräumen und von getrockneten und abgestorbenen Pflanzenresten zu befreien.
Um das Geschlecht von Schwebfliegen unterscheiden zu können, muss man ihnen tief in die Augen sehen. Nur die Augen männlicher Schwebfliegen liegen sehr dicht aneinander, berühren sich sogar manchmal.
Schwebfliegen haben das besondere Talent, mitten in der Luft stehen bleiben zu können und zählen zu den elegantesten Fliegern unter den Insekten. Mit bis zu 300 Flügelschlägen können sie kolibriartig reglos in der Luft verweilen, sind aber auch zu schnellen Manövern fähig. Von Bienen oder Wespen lassen sie sich nicht nur am Flugstil unterscheiden, sondern auch an der fehlenden Wespentaille. Zudem besitzen sie nur zwei große Flügel, während Wespen und Bienen vier haben.
Wer sich also das nächste Mal vor einem gelb-gestreiften Insekt erschreckt, sollte genauer hinsehen: Vielleicht handelt es sich doch nur um eine harmlose Schwebfliege. Um diese faszinierenden Insekten zu schützen, muss auf Insektizide im Garten absolut verzichtet werden. Auch Blattläuse sollten Sie in Ruhe lassen: sie dienen nicht nur der Schwebfliegenlarve als Nahrung, sondern auch Marienkäferlarven und Vogelküken.