„Viercherlmesse“ in der Münchner Kirche St. Maximilian

Die „Viecherlmesse“ in der St. Maximilians Kirche ist über die Grenzen der Stadt Münchens hinaus bekannt wie ein „bunter Hund“. In diesem Jahr fand der Gottesdienst mit Segnung am 31. Oktober statt. Nicht nur Zweibeiner, sondern auch Tiere sind bei diesen Gottesdiensten willkommen und auch der Münchner Tierschutzverein war dabei.

Gleich zu Beginn der Messe wies der römisch-katholische Geistliche darauf hin, dass der umstrittene Satz in der Bibel „und machet euch die Erde untertan“ in neueren Übersetzungen als „verwaltet die Erde“ verstanden wird. Auch auf unsere Verantwortung für alle Tiere, nicht nur unsere Haustiere, wies er hin. Entsprechend durften wir dieses Jahr bei den Besucherinnen und Besuchern auch ein gutes Wort für Tauben einlegen, sagt Lydia Schübel, Biologin, Taubenexpertin und Leiterin der Tierschutzinspektion im Tierschutzverein.

Nach einer Segnung aller mitgebrachten Hunde, Plüschtiere und sogar einer Schildkröte, bat Pfarrer Schießler unsere Taubenexpertin Lydia Schübel um eine Aufklärung über die Taubenproblematik.
Lydia Schübel vergleicht die Not der Straßentauben mit dem Elend von Straßenhunden im Ausland. Wie diese ungeliebten Streuner waren auch die Tauben einst Haustiere, die von ihren Menschen ausgesetzt und im Stich gelassen wurden und nun ausgehungert auf den Straßen nach Nahrung suchen. Mit artgerechter Ernährung ist der Kot jedoch nicht mehr aggressiv und über Geburtenkontrolle könnte man die Taubenpopulation langfristig in den Griff bekommen. Eine Lösung dafür sind Taubenschläge, die in Anlehnung an das sogenannte Augsburger Modell betrieben werden: Die Tiere werden artgerecht gefüttert sowie versorgt, und ihre Eier werden gegen Attrappen ausgetauscht. „Wir haben eine Verantwortung für Stadttauben“, mahnt Rainer Maria Schießler am Ende der harmonischen Messe.

Auch außerhalb der „Viecherlmesse“ dürfen Tiere in seine Messen in die Kirche Sankt Maximilian mitgenommen werden. „Wenn ich anderen Pfarrern davon erzähle, glaubt mir immer niemand, dass Tiere in der Kirche funktionieren. Aber schaut, wie ruhig es heute war und wie alles geklappt hat.“ Mit kleinen Anpassungen fühlten sich die Tiere pudelwohl und die meisten Menschen hatten durchgehend ein Lächeln auf den Lippen.

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