Borstiges Fell, grunzende Geräusche und ein stämmiger Körperbau. Wildschweine haben allgemein einen eher schlechten Ruf, denn sie können Ernten zerstören und sind bei direkten Begegnungen nicht ungefährlich. Dabei sind die Tiere sauschlau! Sie stehen der Intelligenz ihrer gezähmten Verwandten in nichts nach und kommen damit locker an die eines Hundes ran.

Wildschweine haben ein Personengedächnis und können sich genau merken mit welchen Menschen sie schon einmal schlechte Erfahrung gemacht haben. Sie können somit harmlose Spaziergänger oder gar heimliche Fütterer problemlos von einem Jäger unterscheiden. Auch die Bedeutung eines Jägerstandes haben viele verstanden und meiden diese.

Leitend sind dabei erfahrene Bachen, die häufig von ihren Töchtern und deren Jungen begleitet werden. Das kompetente Muttertier warnt ihre Rotte vor Gefahren und führt sie je nach Jahreszeit zu ergiebigen Futterplätzen. Ebenso wählt sie die gemeinsam genutzten Schlafkessel aus und entscheidet, wo Straßen überquert werden.

Auch bei der Jungenaufzucht sind Wildsauen bemerkenswert fürsorglich. Abgesehen davon, dass man eine beschützende Muttersau niemals bedrohen möchte, sondert sich diese von der Rotte ab und baut für ihre Kleinen eine ausgepolzterte, trockene, sonnenbeschienene Kuhle, manchmal sogar mit einer Art Dach darüber. Erst wenn die Frischlinge mithalten können, schließt sie sich wieder der restlichen Familie an. Keiler, die männlichen Tiere, haben in diesen von Weibchen geführten Gruppen nichts zu suchen und werden mit der Geschlechtsreife verjagd. Nur zur Paarungszeit von Ende Oktober bis Ende Januar schließen sie sich wieder an.

Mit ihren kräftigen Schnauzen untergraben und durchwühlen Wildschweine die Erde. Wo dieser Vorgang auf der einen Seite Zerstörung verursacht, trägt er auf der anderen Seite zu einer Erhöhung der Artenvielfalt kurzlebiger Pflanzen bei. Pflanzen können durch die aufgewühlten Böden besser keimen. Zudem verlassen sich viele Pflanzen bei ihrer Verbreitung auf den Verdauungstrankt des Wildschweins.

Waren Wildschweine zwischenzeitlich in vielen Gebieten Europas stark dezimiert oder nahezu ausgerottet, sind sie nun die wahren Gewinner der industriellen Landwirtschaft und des Klimawandels. Milde Winter und große Felder mit nährstoffreicher Nahrung haben dem anspruchslosen Allesfresser ein großes Comeback bescherrt. Ihre Ausbreitung wird dadurch begünstigt, dass sie hervorragende Schwimmer sind und auch überraschend hoch springen können. Zusätzlich hat der Mensch damals in Deutschland den natürlichen Feind des Wildschweines, den Wolf, ausgerottet.

Die Konsequenz der starken Vermehrung sind erhöhte Jagden auf den als „Schwarzkittel“ betitelten Waldbewohner. Zu einer wirklichen Reduktion der Bestände führen diese Maßnahmen meist nicht. Untersuchungen haben ergeben, dass sich stark bejagdte Wildschweinpopulationen schneller vermehren und früher geschlechtsreif werden. Zudem haben die schlauen Tiere inzwischen auch herausgefunden, dass in unseren Städten reichlich Nahrung vorhanden ist und dort in der Regel nicht gejagd wird.

Mit ihrem hervorragenden Riechvermögen stöbern Wildschweine Nahrungsquellen schnell auf und werden in jagdfreien Bezirken sogar tagaktiv. Berlin gilt als die Hauptstadt der Wildschweine, wo unüblich für die eigentlich nachtaktiven Tiere tagsüber spielende Jungtiere im Park beobachtet werden können. Stadtwildschweine sind entspannter als die Landbewohner. Sie haben sich an die Menschen, den Stadtlärm und Haustiere gewöhnt und zeigen in wissenschaftlichen Untersuchungen auch ein viel niedrigeres Stresslevel. In der Stadt lebt es sich offenbar weitaus entspannter.

So ärgerlich Wildschweine für Betroffene auch sein können, sie existieren in Europa schon seid 6 Millionen Jahren und gehören wie Wölfe eigentlich zu unserem natürlichen Landschaftsbild.

Alle Neuigkeiten